(84) 1843 Sept. 22

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84. Arnold Ruge an Marx in Kreuznach; Paris
1843 September 22
Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei, Berlin
Paris, den 2. Sept. 43.
Lieber Freund!
Nur zwei Worte. Fröbel ist hier, und das Ende vom Liede ist Paris.
Wahrscheinlich wird Herwegh morgen kommen. Ich werde wohl her-
ziehn. Jedenfalls wird das Journal hier gedruckt. Ich suche ein Haus
für 3—4 Partien zu mieten. Ich will Herwegh und Mäurer und wo-

» möglich auch Sie bereden, daß wir zusammen hineinziehn und Menage
machen, dergestalt, daß wir einen Koch und eine Küche für alle vier
Familien haben und einen gemeinsamen Eßsaal, im übrigen aber jeder
vollkommen seine eigenen Zimmer pp. Auch die kleinen Dienste des
Bettmachens und Zimmerreinigens besorgt eine Person, der Portier, Das
Wasser, das Fleisch, das Brot, alles wird einem ins Haus getragen. Ich
glaube auch sogar das Gemüse.

Man ist hier am Ende näher bei dem lit[erarischen] Deutschland als
in Straßburg, und das Politische wird nicht so rasch marschieren, daß wir
sobald außer Konnex kämen. Ich wünschte, daß Sie sich entschlössen,

„ lieber hier zu wohnen als im Elsaß. Mäurer (er hat Frau und zwei
Kinder) hat mir hoch und teuer versichert, daß er (ohne den Tobak und
die Cafes) mit 2700 Frances auskomme. Wir wollen 3000 Frances und
etwas mehr noch nehmen; so denk’ ich, werden Sie es können, und wenn
uns die Menage, d. h. ein Stück Kommunismus, gelingt, so müssen wir

25 noch billiger leben.

Das literarische und buchhändlerische Projekt wird sich nun reali-
sieren, auch der Vorschlag von Fröbel, Sie zum Teilnehmer der Hand-
lung zu machen, scheint eine ziemlich sichere Basis gewonnen zu haben.
Doch wird es wohl nötig sein, zu wagen und frisch anzufangen, um einen

zo ordentlichen Fortgang bei unsern deutschen Freunden zu haben,

Ich eile, Ihnen diese veränderte Lage der Sache mitten im Werden
mitzuteilen, um Ihnen vielleicht eine unnötige Reise nach Straßburg zu
sparen. Gehn Sie aber doch nach Straßburg, so können Sie sich vielleicht
auf das Provisorium ausdrücklich einrichten und sich Kosten sparen. Also

z dies alles zu Ihrer Notiz, Natürlich sind Sie vernünftig genug, meine
Projekte und meinen guten Willen, dem Teufel den Kamm zu scheren,

nicht voreilig für eine Realität zu nehmen.

Die Realität, wissen Sie ja, erkenn’ ich schließlich immer an, auch
wenn sie zum Totschießen niederträchtig ist.

Tausend Grüße an Ihre Frau. Mögen wir uns bald heiter und als
definitive Menschen wiedersehn.

Ganz der Ihrige

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A. Ruge.
Hess läßt Sie freundlich grüßen, Fröbel, der neben uns anwohnt,
4 desgleichen,