(61) 1842 Aug. 7.

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beide existieren nicht. Es ist dies eine Manier „mit losem Pulver zu
schießen“, wie sich ein alter Freund von mir, der die Pilalethen zuerst im
Jahr 1830 getauft hat, ausdrückte, die zu nichts führt und nur beweist, wie
schwach wir auch sogar in der Erkennung der praktischen Probleme bis
jetzt sind. Sie haben damals die Sache schon richtig, als bloßen Zeitungs-
versuch charakterisiert.

Die Jahrbücher müssen sich bis hinter den Landtag durchquälen. Der
Landtag kann einiges gute stiften und ich erwart’ es. Die Anekdota sollen
dazu mitwirken. Ihre Arbeiten erwart” ich. Ihr Aufsatz über den Erzbischof
ist noch nicht erschienen. Als Flüchtling vor der Zensur eignet es sich
immerhin in die Anekdota. Mit Campe fangen Sie schwerlich was an.
Politik werd’ ich noch am besten durchbringen in den Jahrbüchern, da
man sich an der Theologie verbissen hat. Bauer hatte mir eine Rezension
äber Ammon geschickt. Non Imprimatur. Die Regierung ist teilweise im

5 starken Widerspruch mit dem konstitutionellen Prinzip, aber ohne es zu
wissen und aus Angst vor dem Bunde und vor Preußen. Sonst ist man
legal gesinnt, was in Deutschland jetzt viel sagen will. In Preußen küm-
mert man sich bei seiner Legalität nicht um die Gesetze, sondern nur um
die allerhöchsten Wünsche und deren polizeiliche Interpretation. Hier ist
die Polizei gebrochen, und es wird möglich sein, die Preßpolizei und ihre
Extravaganzen anzugreifen. Es wäre leicht, sie ganz zu stürzen, wenn nicht
Jie Buchhändler so schlecht wären. Diese albernen Industriemenschen
haben keinen Sinn für politische Freiheit und doch ist die Industrie das
einzige, worauf die Regierung Gewicht legt.

Es erscheint soeben ein Buch: Differenz der Hegelschen und Schelling-
schen Philosophie von Glaser, der die Arist[otelische] Metaphysik be-
sprochen hat (er will sie ganz neu ändern, Sie haben das Buch wohl ge-
sehn). Die „Differenz“ ist nun ein seltsames Wesen und jedenfalls, bei
aller philosophischen Konfusion, einer Rezension wert. Es ist extrem
gegen Schelling und sucht ihn zum reinen Plagiarius zu machen, was
immer nur sehr eingeschränkt wahr ist. Auf der anderen Seite wird er die
Scholastik nicht los.

Haben Sie Lust, das Buchwesen zu rezensieren? In den Jahrbüchern
mein’ ich?

5 Antworten Sie mir bald und vergessen Sie nicht, die Ausführungen für
die Anekdota beizulegen.
Ihr A. Ruge.
[Nachschrift von Karl Riedel]
Lieber Marx! Glaser ist derselbe, den Du bei Walter in der Kronen-
1 straße gemuckt hast. Mucke ihn tüchtig. Ich bin eben in Dresden.
Dein Riedel.

ns

[Nachschrift von Ruge]
Haben Sie die Güte die Inlage an Jung in Köln für die Rheinische
Zeitung zu schicken und wenn Sie wollen dieselbe vorher zu lesen.
Nochmals meine schönsten Grüße
hr

A. Ruge.