— 299 — Für die Hansestädte war charakteristisch das Überwiegen der Auslandsgläubiger (219,1 Mill. ZA = 53,8 vH), welches durch die verhältnismäßig starke Auslandsverschul- dung von Bremen und Hamburg verursacht wurde, während bei Lübeck die Auslandsschulden nur etwa ein Drittel der Gesamtverschuldung ausmachten. Darin drückt sich die enge Verbindung der Hansestädte, insbesondere von Bremen und Hamburg, mit den ausländischen Kapitalmärkten aus. Nach der Laufzeit betrachtet, bestanden die Schulden der Länder insgesamt je zur Hälfte aus langfristigen (743,8 Mill. ZA = 49,6 vH) und mittel- und kurzfristigen (756,0 Mill, ZA = 50,4 vH) Schulden. Von diesem Verhältnis wichen in stärkerem Maße nur ab Württemberg, bei welchem die mittel- und kurzfristigen Schulden über 80,0 vH der Gesamtverschuldung ausmachten, und Baden und Thüringen, in welchen beiden Ländern die langfristigen Schulden äüberwogen. Bei den Hansestädten waren die langfristigen Schulden mit 293,0 Mill. ZA = 70 vH ausschlaggebend, gegenüber 127,3 Mill. AM = 30 vH mittel- und kurzfristiger Schulden, Dieses Verhältnis erklärt sich aus dem starken Anteil der Auslandsschulden, welche fast aus- schließlich langfristigen Charakter haben. Bei den Zinssätzen, zu welchen die Schulden der Länder aufgenommen wurden, läßt sich allgemein beobachten, daß der Durchschnittszinssatz bei den größeren Ländern infolge des stärkeren Anteils der billigeren Auslandskredite niedriger liegt als bei den kleineren Ländern. In noch stärkerem Maße als bei den Ländern prägt sich diese Tendenz bei den Hanse- Städten mit ihrem großen Anteil an Auslandskrediten, Altschulden und Festwertanleihen aus. Die Durchschnittsverzinsung für ihre Schulden beläuft sich auf 5.790 ° /as während sich für die Länderschulden ein Satz von 6,512 °/, ergibt. ß) Verwendung Von dem Gesamtbetrag der Länderschulden, dessen Verwendung festgestellt werden Konnte, in Höhe von 1 401,6 Mill. „2. (Stand am 31. März 1928) wurden 815,4 Mill. AM = 58,2 vH,zur Durchführung der Aufgaben der Hoheitsverwaltungen verwendet. Die größten KEinzelbeträge entfielen hiervon auf Wohnungswesen (300,8 Mill. AM = 21,5 vH des Ge- Samtbetrages), Verkehrswesen (227,9 Mill. AA = 16,3 vH), Förderung der Wirtschaft (189,2 Mill. AM = 13,5 vH) und Wohlfahrtswesen (60,8 Mill. AA = 4,3 vB). ' 346,9 Mill. AM = 24,8 vH fanden Verwendung für die Unternehmungen und Betriebe, insbesondere zum Ausbau der Versorgungsbetriebe (191,6 Mill. AA = 13,7 vH). Als Betriebsmittelfonds zur Deckung laufender Ausgaben diente der verhältnismäßig hohe Betrag von 222,3 Mill. AM = 15,9 vH der Gesamtverschuldung, Bei den einzelnen Ländern sind innerhalb der Hauptverwendungszwecke zum Teil starke Verschiebungen festzustellen, welche auf die besonderen Verhältnisse der betreffenden Länder (wirtschaftliche Struktur, Anteil am besetzten Gebiet, Ausbeute von Wasserkräften, ins- besondere für Elektrizitätsversorgung usw.) zurückzuführen sind. So hatte z. B. Preußen besonders hohe Aufwendungen für die Landwirtschaft, Bayern und Baden für Elektrizitäts- Versorgung, das dichtbevölkerte Sachsen für den Wohnungsbau usw. Unmittelbar wurden von den Ländern nur 762,5 Mill. AA oder 50,8 vH der Gesamtsumme der aufgenommenen Schulden verausgabt, während insgesamt 737,2 Mill. ZA (= 49,2 vH) an die private Wirtschaft (246,9 Mill. AA = 16,5 vH), an öffentliche Unternehmungen und Zweckverbände (355,3 Mill. ZA = 23,7 vH) und an Gemeinden und Gemeindeverbände (135,0 Mil. ZA = 9,0 vH) als Darlehen oder Beteiligung weitergeleitet wurden. Auch hier sind bei den einzelnen Ländern in ihren besonderen Verhältnissen begründete Verschieden- heiten zu beobachten. Bei den Hansestädten ist fast der gesamte Betrag der Schulden (385,0 Mill. AM = 92,0 vH) unmittelbar verausgabt worden. Für ein Drittel (138,7 Mill. ZA = 33,0 vH) der Gesamtschuld konnte die Verwendung nicht festgestellt werden; es handelt sich hier hauptsächlich um die Altverschuldung, welche bei den Hansestädten, im Gegensatz zu den Ländern, einen starken Anteil an der Gesamtschuld hat.