— 390 — Bewertungsmethode. In den beiden folgenden Veranlagungen 1927 und 1928 tritt erst ein langsames, dann ein stärkeres Steigen der veranlagten Vermögensteuer sowie des Steueraufkommens ein, das außer mit dem Zuwachs des steuerpflichtigen Gesamt- vermögens auch mit den seit 1927 wirksamen höheren Tarifsätzen für bestimmte Ver- mögensteile zusammenhängt (Übersicht 50). Das Rohvermögen stellt die Summe aller überhaupt im Eigentum des Veranlagten vefindlichen steuerpflichtigen Vermögensobjekte dar; lediglich das Betriebsvermögen ist hierbei um die zugehörigen Schulden und Abzüge vermindert. Infolgedessen enthält es zahlreiche Vermögenswerte doppelt, z.B. einmal als Sachkapital beim Unternehmer, sodann aber auch noch als Geldkapital beim Kreditgeber. Einen zutreffenden Einblick in die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Steuersubjekte gewährt es somit nicht; aber der entstehende Fehler ist verhältnismäßig gering, weil die wichtigste Vermögens- kategorie, das Betriebsvermögen, als Reinvermögen nachgewiesen wird. Statistisch ist das Rohvermögen insofern interessant, als es eine Aufgliederung nach Vermögensarten rmöglicht, die für das steuerpflichtiges Gesamtvermögen nicht durchführbar ist, weil ein Teil der Schulden und fast alle sonstigen abzugsfähigen Lasten keiner bestimmten Ver- nögensart zugerechnet werden können. Einen im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungsgröße sehr hohen Anteil an der Reichs- summe des Rohvermögens stellen von den Ländern namentlich: Hamburg, Bremen, Sachsen, Preußen, daneben in geringerem Umfange: Anhalt, Braunschweig und Lübeck. Das sind vor allem Länder mit regem Handel oder gut entwickelter Industrie. In diesen ist gleichzeitig auch der Reichsanteil des Vermögenswertes meist größer als jener der Üflichtigenzahl, während die agraren Gebiete umgekehrt einen höheren Pflichtigen- als Vermögensanteil ausweisen (Übersicht 51). Eine Aufgliederung des Rohvermögens nach Vermögensarten veranschaulicht die über- tragende Bedeutung des Betriebsvermögens. Im Reiche liegt sein Hundertanteil während der vier Veranlagungsjahre nahe bei 40 vH, obwohl es als einzige Vermögenskategorie Reinvermögen darstellt. Allerdings hat es von 1924 auf 1928 stetig an relativer Be- deutung verloren; aber doch nicht in gleichem Ausmaße wie das landwirtschaftliche usw. Vermögen, das seit 1925 vom Grundvermögen überflügelt ist. Grundvermögen und sonstiges Vermögen haben seit 1924 erheblich an relativer Bedeutung. gewonnen (Über- sicht 51). Auch in den Ländern steht allgemein das Betriebsvermögen mit weitaus höchstem Anteil am gesamten Rohvermögen im Vordergrunde; in Hamburg und Bremen ist es sogar absolut im Übergewicht. Dagegen weisen einen höheren Anteil des landwirtschaft- lichen Rohvermögens als des gewerblichen Betriebsvermögens nur Oldenburg, Waldeck, die beiden Mecklenburg und die beiden Lippe auf. In den letztgenannten sechs Ländern ist das landwirtschaftliche dem gewerblichen Vermögen sehr wesentlich überlegen. In ner Anzahl von Ländern mit entwickeltem Gewerbe (wie Preußen, Sachsen, Hamburg, Bremen, Lübeck) oder mit vorherrschendem landwirtschaftlichem Zwergbetrieb (Baden) antfällt auch auf das Grundvermögen ein höherer Anteil als auf das landwirtschaftliche Vermögen. Überhaupt den geringsteh Anteil stellt das landwirtschaftliche Vermögen in Sachsen und den drei Hansestädten; in fast allen übrigen Ländern steht das sonstige Vermögen: an letzter Stelle; eine Ausnahme macht Mecklenburg-Schwerin, wo der zeringste Anteil auf das Grundvermögen entfällt (Übersicht 51). In den agraren Gegenden treten, im Vergleich zur Bevölkerung, die Pflichtigen stärker hervor als die Vermögenswerte. Diese Tatsache deutet schon darauf hin, daß das Durchschnittsvermögen in der Landwirtschaft relativ gering ist. Tatsächlich weist im Reiche die Landwirtschaft von allen Vermögenskategorien das geringste Durchschnitts- vermögen je Pflichtigen auf; gegenüber der entsprechenden Ziffer für gewerbliches Betriebsvermögen bleibt das landwirtschaftliche Durchschnittsvermögen um weit mehr ıls die Hälfte zurück, Wie im Reichsdurchschnitt so weist auch in den meisten Ländern das Betriebsvermögen den höchsten Durchchnittsbetrag je Pflichtigen auf. Eine Aus- nahme machen Oldenburg, Lippe und die beiden Mecklenburg, in denen das landwirt- schaftliche Durchschnittsvermögen an erster Stelle steht. Dagegen entfällt in Preußen,