Obwohl auch dieser Typus der Bücherschen Theorie der histori- schen Wirklichkeit nicht entspricht, so wurde dies doch noch nicht mit solchem Nachdrucke betont, als es für die Stufe der geschlos- senen Hauswirtschaft immer wieder und von allen Seiten her ge- schehen ist. Tatsächlich war die Wirtschaft in den Städten ganz anders geartet. Es gilt doch heute als communis opinio aller Wirt- schaftshistoriker, daß gerade in den Städten des Mittelalters die Geldwirtschaft so recht aufgekommen und durch die von ihnen getragene Verkehrswirtschaft (Handel und Gewerbe) gefördert worden sei. Es ist allgemein bekannt, daß gerade in den Städten ein Zwischenhandel sich entwickelt hat und das, was für die Büchersche Wirtschaftsstufe der „Stadtwirtschaft‘“ charakteristisch sein soll, die direkte Kundenproduktion, d.h. der unmittelbare Absatz des Produzenten an den Konsumenten, vielfach gar nicht möglich war. Man denke nur an die Attribute der städtischen Wirt- schaft von damals, das Stapelrecht, die Vorkaufs- und Meilenrechte! Daß der Widerspruch gegen Büchers Theorie hier weniger laut war, hat seinen Grund zum Teil auch in der Tatsache termino- logischer Kontamination. Die Wirtschaftsgeschichte verwendete seit langem bereits vor Bücher die Bezeichnung „Stadtwirtschaft“ für die in den Städten vornehmlich betriebene Wirtschaft überhaupt”), ohne daß mit dieser Bezeichnung die Büchersche Lehre gemeint wäre. Die Duplizität dieses Sprachgebrauches kam also letzterer zu statten. Aber jene war etwas ganz anderes als Bücher darunter versteht®). Sie war vor allem, das ist ganz sicher, kein Naturaltausch bloß zwischen den spezifisch agrar- und verkehrswirtschaftlichen Er- zeugern, die sich auf dem Markt der Stadt begegneten. Auch andere Theorien, die eine Einteilung nach Wirtschafts- stufen aufgestellt haben, kommen mehr oder weniger letzten Endes doch auch wieder auf den Gegensatz von Natural- und Geldwirt- schaft zurück. So hat W. Sombart in seinem komplizierten Schema von Wirtschaftsstufen (Individual-, Übergangs- und Gesellschafts- wirtschaft), welche nach Wirtschaftssystemen (Bedarfsdeckungs- und Erwerbswirtschaft) sich gliedern, in die jeweils entsprechende Wirt- *) Vgl. v. Below, Über Theorien der wirtschaftl. Entwicklung der Völker, mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. Histor. Zs. 36, ıff. (1901), wiederabgedruckt in desselb. „Probleme der Wirtschaftgesch.“ 1920, S. 143 ff., bes. 147. °) Vgl. v. Below, Probleme der Wirt. Gesch. S. 202 ff. (1920).