7 ihren Eigenbedarf zu decken vermochten*?), desto mehr mußte für den allgemeinen Bedarf eine wirtschaftliche Sonderproduktion im Gewerbe*®) und eine ökonomische Vermittlung (Markt und Handel) vorhanden sein“). Das ist eine natürliche Voraussetzung, die sich aus der ökonomischen Gesamtstruktur unmittelbar ergibt, wie sie durch die neuere Forschung über die Siedlungs- und Grundbesitz- verhältnisse jener Zeiten erwiesen wurde. Diese Zusammenhänge, die jedem einleuchten, der mit den Grundsätzen der Nationalökonomie auch nur einigermaßen vertraut ist, sind besonders von einzelnen französischen Forschern nicht beachtet worden. Es kann um so mehr auffallen, daß z. B. ein so guter Kenner der Quellen wie L. Halphen es ist, wieder für die alte Lehre von der Geringfügigkeit des Gewerbes und Handels in der Karolingerzeit eintritt‘), zumal er mir doch in der andern Hauptfrage recht gegeben hat, welche die großen Grundherr- schaften und die Zersplitterung des Grundeigentums in der Karolingerzeit betrifft“). Überraschenderweise hat freilich sowohl er wie auch neuestens H. v. Werveke, der gleichfalls dem Handel der Karolingerzeit jegliche Bedeutung abspricht*"), die Existenz ziner geschlossenen Hauswirtschaft in jener Zeit für sicher an- zesehen. Halphen scheint gar nicht überlegt zu haben, welche Schwierigkeiten sich daraus für die Wirtschaft jener Zeit hätten ergeben müssen. Wer hätte denn die Versorgung mit jenen Gewerbeartikeln des täglichen Bedarfes durchführen sollen, die selbst große Grund- herrschaften nicht aus eigenem zu produzieren vermochten? Und dann erst die große Menge der kleinen freibäuerlichen Wirte? Woher haben denn diese ihren Bedarf bezogen? 42) Vgl. G. v. Below, Die Entstehung des Handwerks in Deutschland. Zschr. f. Soz. und Wirtschg. 5, 147 ff., sowie E. Kober, Die Anfänge des deutschen Wollgewerbes, S. 25 ff. “) v. Below a. a. O. S. 152 ff. *) Schon im 6. Jahrhundert werden vom Konzil v. Orleans (5 38) Kauf- leute erwähnt, die dem Bedarf des Volkes durch öffentlichen Handel pro- fessionsmäßig dienen: publici, qui ad populi responsum negutiaturis observiant M. G. Coneil x., 82, c. 30, vgl. dazu mein Buch, Wirtschaftl. und soziale Grund- lagen 3. Europäischen Kulturentwicklung 2, 440n., 252 = 2°, 448 0. 258. ) Etudes Critiques sur ]’Histoire de Charlemagne. Paris 1921, S. 305 f. %) Ebda. S. 266 £. ”) Note sur le commerce du plomb au moyen äge in Melanges d’Histoire »ferts 4 Henri Pirenne (1926) 2, 6s3 ff.