Infolge solcher Stellungnahme eines Teiles‘®) der Historiker wird verständlich, daß die Lehren von der geschlossenen Hauswirt- schaft sowie reiner Naturalwirtschaft im frühen Mittelalter doch noch immer ein gewisses Dasein fristen. Daß dann auch National- ökonomen, welche ihre Theorien auf die von den Historikern gebotenen Darlegungen über die geschichtlichen Vorgänge und Zustände der Frühzeit aufbauen, ihrerseits hinwiederum theoretische Formulierungen geboten haben, die der Wirklichkeit nicht ent- sprechen. Ich hebe da nur beispielsweise hervor, was einer unserer bekanntesten Nationalökonomen, Lujo Brentano, über die hier vor- liegenden Probleme ausgeführt hat. „Das Charakteristische der Naturalwirtschaft ist“), daß eine jede einzelne Wirtschaft alles, dessen sie bedarf, selbst erzeugt und nichts herstellt, als was sie selbst verbraucht. Es fehlt also jeder Anlaß, sowohl Sachgüter als auch Dienste von andern zu kaufen, und ebensowenig kann man die Produktionsmittel, über die man verfügt, in der Weise nutzbar machen, daß man Güter herstellt, die man an andere verkauft.“ Der Handel steht von Anfang an in schroffem Gegensatz zu jeder auf Naturalwirtschaft beruhenden Wirtschaftsordnung®®). Solange das Volk, der Stamm, das Geschlecht die Wirtschaftseinheiten waren, gab es innerhalb derselben keinen Handel; ebensowenig innerhalb der Markgenossenschaft, der Grundherrschaft, der ihr antertänigen Dorfgenossenschaft. Die Bedürfnisse der einzelnen Mitglieder waren die der Einheit. Sie bestimmte, was jedes Mitglied nach Maßgabe der herkömmlichen Ordnung erhalten sollte. In sich selbst genügenden Wirtschaften wurden die geringen Bedürfnisse aller Mitglieder befriedigt. Handel fand bloß mit Angehörigen fremder Wirtschaftseinheiten statt, wenn solche gelegentlich mit Gütern nahten, mittels deren sie die Begehrlichkeit und neue Bedürfnisse weckten, um das, wonach sie verlangten, zu er- halten). Aus diesem Irrgarten, in dem Historiker und National- ökonomen nicht selten unverstanden ‚aneinander vorbeigingen, ward kein Ausweg gefunden. Das ist sicher tiefer begründet. 2) Siehe jedoch oben S. 2, wie französische Nationalökonomen über die Büchersche Theorie denken (Leroy!). %) Die Anfänge des modernen Kapitalismus. (1916), S. ıo ff. 5) Ebda. S. 15. 4) Ebda. S. 57.