4 sich in sehr verschiedenem, offenbar durch eine große Zahl mannig- facher Ursachen bedingtem Tempo vollzieht, ist eine Binsenwahr- heit, mit der historisch nicht viel geholfen ist. Richtig ist, daß die Naturalwirtschaft kaum je bei einem Volke vollständig von der Geldwirtschaft verdrängt wurde; beide Formen in der Regel neben- einander fortbestehen. Es kann überraschen, wenn trotz dieser Er- kenntnis v. Below nachdrücklich betont, daß in den Begriffen Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft bedeutsame Gegensätze zum Ausdruck kommen. Daß er die Koexistenz beider zwar hervorhebt, jedoch mit der Einschränkung: „nur daß die ältere Form meistens immer mehr zurücktritt“. Ihm erscheint also der Gegensatz doch noch immer wesentlich chronologisch, d. h. zugleich genetisch. Die Möglichkeit einer Bevorzugung der Naturalwirtschaft vor der „jüngeren“ Geldwirtschaft, nicht nur in älterer, sondern selbst in neuerer Zeit, hat v. Below gar nicht berücksichtigt, obwohl auch schon vor den Erlebnissen des Weltkrieges mehrfach sogenannte „Rückfälle‘“ in die Naturalwirtschaft nach Zeiten ausgesprochener Geldwirtschaft von der Forschung bereits hervorgehoben worden waren®®). Schon diese kurze Überschau, welche in keiner Weise den Anspruch auf Vollständigkeit erheben will, lehrt deutlich, wie sehr die Fortschritte der Wissenschaft nicht nur auf dem Gebiete der Wirtschaftsgeschichte, sondern auch der Ethnologie und Archäologie eine Revision der bisherigen Theorien notwendig machen. Immer mehr haben verschiedene Wirtschaftshistoriker erkannt, daß diese nicht der Wirklichkeit entsprechen. Man suchte sich durch Vor- behalte und besondere Interpretationen der herkömmlichen Terminologie gegenüber Irrtümern oder schiefer Auffassung zu sichern”) und — verwendete trotzdem die alten Schemata weiter. Es hat, scheint mir, dieser Stand der Forschung noch eine :iefere Begründung. Diese ganze Wirtschaftsstufenlehre ist offen- sichtlich beeinflußt von der Evolutionslehre. Eine Stufe entwickelt sich aus der anderen und löst diese ab, ja verdrängt sie. Jede zedeutet einen Fortschritt und einen Aufstieg zugleich, auch eine Ausbreitung im Raume und in der Einbeziehung neuer. bis dahin *) Siehe das Nähere unten Abschnitt ır. 57) So auch die neueste „Wirtschafts- und Sozialgeschichte“ von Carl Brink- mann 1927, S.x. Vgl. auch H. Schack, Wirtschaftsformen, Grundzüge einer Morphologie der Wirtschaft 1927, S. 29 u. 41 £.