4 isolierter oder selbständiger Wirtschaften. Aber die Mannigfaltig- keit der Wirtschaft, die Buntheit ihrer verschiedenen Existenzbedin- zungen und Möglichkeiten ist dabei nirgends berücksichtigt, am allerwenigsten das Nebeneinander von verschiedenen Wirtschafts- formen, die man nur nacheinander dachte. Man könnte, das, was V. Mitscherlich mit Bezug auf den Staat als Pluralitätstheorie auf- stellte®), auch hier für die Wirtschaftsgeschichte anwenden. Ein Nacheinander vieler Wirtschaftserscheinungen mit Eigenleben, die alle doch den wirtschaftlichen Zwecken des Menschen zu dienen haben. In dieser Vielheit ist die Besonderheit nicht aufgehoben, sondern kommt erst recht zur Geltung. Jede einzelne Wirtschafts- form führt eine Art Eigendasein mit bedingter Daseinskraft. Die Zeitdauer letzterer kann verschieden sein; ebenso wie die Art ihrer Beseitigung und Ersetzung durch neue Formen, welch letztere selbst wieder nicht gleichartig sein müssen. Höchst bezeichnend ist nun, daß selbst Mitscherlich, der diese Pluralitätstheorie nachher auch auf die Erscheinungen des ökonomi- schen Lebens ausgedehnt hat*”), die bisher aufgestellten Wirtschafts- stufen nicht gänzlich über Bord warf. Auch er ist selbst doch wieder von den Theorien Hildebrands, Schmollers und besonders Karl Büchers beeinflußt). Freilich stellte er sich vor allem die Aufgabe, den Bedürfnissen des gegenwärtigen Wirtschaftslebens zu dienen und den wirtschaftsphilosophischen Gesichtspunkt stärker in den Vordergrund zu stellen’!). Mitscherlich ist zudem auch kein Historiker: er wollte offenbar jene Wirtschaftsstufentheorie gar nicht auf ihre historische Treue hin prüfen, oder sie gar an der Hand der von der Wirtschaftsgeschichte gelieferten Nachweise berichtigen. Der Historiker darf dabei nicht stehen bleiben! Mit Recht hat neuestens H. Proesler betont, daß vom Standpunkt des Historikers die Bezeichnung „Stufen“ vermieden werden sollte, obwohl sie sich auch in seiner Disziplin durchgesetzt haben. Denn sie schließe die Vorstellung eines Auf- bzw. Abstieges in sich und lege dadurch eine anterschiedliche und zudem metaökonomische Bewertung der durch- %) Der Nationalismus Westeuropas. Leipzig 1920, bes. S. 49 ff. %) Eine Wirtschaftstufentheorie. Skizze des ökonomischen Werdens der germanisch-romanischen Völker 1924. 70) Vgl. z. B. S. 16, auch S. 13 (Stadtwirtschaft!). 2) Ebda. S. 3. Dopsch, Naturalwirtschaft.