[Q hauptsächlich auch daraus zu gewinnen, daß die von ihm gefundenen Perioden „so sich mutatis mutandis empirisch mindestens in der Geschichte der Nationen des europäischen Abendlandes wie in der Geschichte der Völker des klassischen Altertums wiederfinden"*)“. Es soll hier nun keineswegs eine, wie ich glaube, heute völlig überflüssige Widerlegung solcher Auffassung gegeben werden. Es ist längst dargetan worden, daß sich solche Zeitalter der geistigen Kulturentwicklung so tatsächlich nicht abgrenzen lassen. Gleichwohl aber sprechen Nationalökonomen ebenso wie Historiker immer noch von einem Zeitalter reiner oder überwiegender Naturalwirtschaft und betrachten das Aufkommen der Geldwirtschaft als eine spätere, chronologisch genau bestimmbare Neuerscheinung, die in Europa im ı2. und 13. Jahrhundert eintrete, und lassen dann ein Zeitalter überwiegender Geldwirtschaft folgen, bis endlich in den neueren Jahrhunderten die reine Geldwirtschaft platzgreift”®). Neben dieser evolutionistischen Grundauffassung hat uns aber insbesondere auch das Problem der Kausalität politischer Phänomene hier zu beschäftigen. Von verschiedenen Seiten her, durch Historiker und Nationalökonomen, ist eine innere Bedingtheit und ein be- stimmter Zusammenhang der Natural- und Geldwirtschaft mit sozialen und verfassungsrechtlichen Bildungen, ja Organisations- formen. angenommen worden. Als „notwendigen Ausfluß der Naturalwirtschaft“ sieht Lujo Brentano die feudale Wirtschafts- ordnung an’%). Die Naturalwirtschaft äußert vor allem soziale Wirkungen; sie schafft Abhängigkeit von Menschen auf dem Wege der Bodenleihe, eine Über- und Unterordnung, Herrschaft und Mannschaft. Im völligen Gegensatz dazu steht nach Brentano die kapitalisti- sche Wirtschaftsordnung. In ihr hat statt des Landes die führende Rolle das Geld. Eine soziale Entfesselung greift Platz. Die Menschen verbindet nicht mehr die Landleihe, sondern die Barzahlung. Keiner ist dem andern zu mehr verpflichtet, als er bei Abschluß des Ver- trages auf sich nimmt. Ein jeder erhält, was er braucht gegen Geld- 7) Ebda. S, 130. 7) Vgl. zu dem bereits oben Gesagten (S. 5f.) R. Kötzschke, Allgemeine Wirtschaftsgesch. d. MA. (1924), bes. S. 69 u. S. 518 f., ferner u. a. auch Lujo Brentano a. a. O. S.2r ff, W. Lotz, Finanzwissenschaft 1917, S. 18 u. 34 Carl 3rinkmann, Wirtsch. u. Sozialgesch. 1927, S.25, 28, 70 u. passim. *) Die Anfänge des modernen Kapitalismus. München 1916, 5.7 ff. a