27 desselben zu Markte, der nun immer häufiger stattfindet (Grenz- markthandel)*). Infolge der Kulturmischung zwischen mutter- rechtlicher Ackerbau- und totemistischer Jäger- und Handwerker- kultur entwickelt sich die erste Form des Geldes, das Muschelgeld in der Südsee. Ja, es kommt, z. B. in Melanesien wie auch im Nordwesten von Nordamerika, ein Zins- und Kreditwesen schon vor*°). Der Güterverkehr zwischen diesen beiden Kulturen erscheint besonders umfassend und entwickelt in Indien. Die gewerblich differenzierten Totemclans sind zu Handwerkerkasten geworden und stellen den ackerbautreibenden Stämmen Grobschmiede, Zimmerleute, Gerber u. a. m. Die Entlohnung für deren Dienste, bzw. Gewerbeartikel erfolgt in landwirtschaftlichen Erzeugnissen, vor allem in Getreide?‘). Die Verbindung, in welche die beiden genannten Kulturkreise traten, hat eine lebhafte Entfaltung des Geldes und Geldverkehrs zur Folge gehabt!'). Nahezu alles, was der primitive Wirtschafts- betrieb an Gebrauchs-, Schmuck-, Nahrungs- und Genußmitteln besitzt, ist zu einem Tauschmittel geworden, am bekanntesten die Kaurimuschel. Von Nahrungsmitteln Mais und Kakao in Mittel- amerika, die Durra in Afrika, das Getreide in Nordeuropa, in Zentralasien aber das Vieh. Von den Genußmitteln werden Tabak und Salz zu Geldzwecken verwendet, während als Kleidergeld die Felle, besonders in arktischen und subarktischen Teilen Asıens, Amerikas und Europas, eine Rolle spielen. Eine reiche Verbreitung besitzt auch schon das Metallgeld, vor allem Eisengeld in Asien und Afrika. Alle diese Geldarten sind noch Naturgeld. Aber an Stelle des Metallgeldes in Barrenform tritt auch schon das geprägte und mit Inschrift versehene Münzgeld auf, Kulturgeld!®). G. Thilenius hat zwei Gruppen des Geldes der Primitiven unterschieden: Nutz- und Zeichengeld. Ersteres zeigt uns die ursprüngliche Form und Bedeutung der als Tauschmittel verwendeten Sachgüter noch auf- recht, z. B. Felle, Hacken, Matten, Salzstücke. Die Entwicklung geht dahin. daß nach und nach dann nur mehr ein kleines hand- 1) Ebda. 5. 559. 15) Ebda. S. 560. 16) Koppers a. a. O. S. 566. 17) Ebda. S. 570 £f. 18) Vol. G. Thilenius, Primitives Geld. Archiv f. Anthropol. (1920), NF. 18.