46 Geldwirtschaft gestützt hat®). Ein so entwickeltes System der Finanzwirtschaft, wie es hier zutage tritt, mit so reicher Geldverwendung in allen möglichen Geschäften des täglichen Lebens, hat jedenfalls schon eine lange Vorentwicklung zur Voraussetzung. Sie kann unmöglich erst damals entstanden sein, derart, daß vor dem 4. Jahrhundert eine völlig geldlose Wirtschaft in Indien bestanden hätte, wie dies Pran Nath be- hauptet®®). Von grundlegender und allgemeiner Wichtigkeit ist noch eine weitere These, die Pran Nath aufgestellt hat. Entgegen der vielverbreiteten Meinung moderner Nationalökonomen, daß der Tauschverkehr (will sagen Naturaltausch!) voller Schwierigkeiten sei, behauptet er®), derselbe sei vielmehr „eine sehr nützliche ökonomische Einrichtung“ und ein bequemes Mittel für die täglichen Geschäfte. Seine Ausführungen sind aber selbst doch der beste Beweis dafür, daß der Naturaltausch gewissen Schwierig- keiten begegnet. Gerade der Kleinverkehr des Alltags, die Be- schaffung der täglichen Nahrungsmittel durch den kleinen Kon- sumenten, ist im Wege des Naturaltausches weniger leicht ab- zuwickeln als mit Hilfe des Geldes. Und Pran Nath selbst schildert ja die Verhältnisse doch so®), daß für den Einkauf von Gemüse und anderen wohlfeilen Sachen die Kaurimuschel, d. h. also (Natural-) Geld, in Verwendung stand. Für diese Waren ist das Vieh eben ein zu wertvolles Tauschmittel! Man benötigte also im täglichen Kleinverkehr doch des Geldes. Und es bleibt richtig, daß die Unmöglichkeit der Teilung bei vielen Tausch- gütern dem Naturaltausch Hindernisse in den Weg legte®). Das gilt vor allem für das Vieh, welchem Pran Nath für die alt- indische Wirtschaft eine so bedeutende Rolle zuweist”). Er will ja geradezu in dem Überflusse an Vieh die Ursache dieses reichen (Natural-) Tauschverkehrs sehen?!). Tatsächlich konnte Vieh und 6) A.a.O. S. 12 ff. %) A.a.O. S. 13. 97) A.a.O. S. 1. %) A.a.O. S. 2. %) Pran Nath polemisiert (S. 1, Note ra) gegen eine Außerung von Jevons, Money, London 1910, in der dies betont wird. 7) A.a.0. S.7f. 2) Aa. O0. S. 3.