Nicht unerwähnt soll bleiben, daß die Sklaven**), die infolge der großen Eroberungen der assyrischen Könige (Kriegsgefangene) sehr zahlreich waren, die Freiheit durch eine einmalige Geld- zahlung erwerben konnten; über die Freilassung wurde eine Ur- kunde ausgestellt. Geschickte Sklaven wurden von ihren Herren eventuell auch vermietet oder führten selbst Geschäfte aus, wozu sie von jenen mit Geld ausgestattet wurden. In Babylonien haben auch die Frauen!) sich selbständig am Geschäftsleben beteiligt, ohne daß ein Sachwalter notwendig ge- wesen wäre. Besonders Priesterinnen machten mit ihrem Ringgeld verschiedene Geschäfte. Sie kaufen und verkaufen, mieten und vermieten Grundstücke und Sklaven, leihen Geld aus und fun- gieren als Zeuginnen bei Verträgen. Einzelne Geschäftsbetriebe, wie das Schankgewerbe, scheinen vornehmlich durch Frauen ge- führt worden zu sein. In schweren Zeiten haben sich ärmere Leute auch ihrer Kinder für Geld entledigt*?). Im ganzen also ist hier bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. eine ansehnliche Ausbreitung der Geld- wirtschaft zu konstatieren, die aber nicht als Übergang von der älteren Naturalwirtschaft zu bezeichnen ist. Denn diese besteht auch in viel späterer Zeit neben jener weiter fort und ist be- gründet in dem Landwirtschaftsbetrieb sowie der Viehzucht, welche beiden Wirtschaftszweige ja in Babylonien sich einer hohen Wertschätzung schon in der ältesten Zeit erfreuten. Wie früher so sind auch später wieder ihre vornehmsten Erzeugnisse — Getreide und Vieh — zu Zahlungszwecken (Naturalgeld) un- mittelbar verwendet worden. Es wurde dadurch der preis- verteuernde Zwischenhandel ausgeschaltet und eine Vereinfachung der Wirtschaft bewirkt in Gegenden, wo die gangbaren Verkehrs- mittel eine rasche Überwindung der bestehenden Transport- schwierigkeiten entweder überhaupt nicht, oder nur mit hohem Kostenaufwand ermöglichten. Eine wenigstens kurze Berücksichtigung verdient auch das Reich der Juden. Sie waren in der ältesten Zeit Viehzüchter 120) Meissner a.a.O. ı, 381 ff. — Auch da liegen gewisse Analogien zu den Verhältnissen des Mittelalters vor! 14) Ebda. ı, 387. 42) Ebda, ı, 389.