Vierter Abschnitt. Altgriechenland und das Römerreich. Schon sehr frühe bestanden Beziehungen Ägyptens zur Kultur der Ägäis, speziell zu Kreta. Sie reichen in die frühminoische Periode (6. bis 11. Dynastie Ägyptens), etwa 2500—2000 v. Chr., zurück und bezeugen nicht nur, daß damals schon ein Handels- verkehr mit den Seevölkern vorhanden war, es ließ sich auch nach- weisen, daß Arbeiter vom Norden bezogen worden sind. Sie haben bei der Pyramide Sesostris II. (1903—1887) eine förmliche Arbeiter- stadt begründet). Wohl erfuhren diese Beziehungen infolge des Einfalles der Hyksos (1675—1580) eine Unterbrechung, allein sie lebten später doch wieder auf. Die Goldschmiedekunst des kretischen Handwerks wirkt ebenso in Ägypten ein (Waffen des 16. Jahrhunderts), wie sich um- gekehrt Skarabäen und Fayencen des 15. und 14. Jahrhunderts ägyptischer Provenienz in Kreta, der Argolis, Rhodos und Cypern fanden. Ägyptische Nachbildungen mykenischer Gefäße (Bügel- kannen) konnten nachgewiesen werden. Überdies muß schon im 2. Jahrtausend v. Chr. ein sehr reger Verkehr aus dem Gebiete des Agäischen Meeres nach Palästina und Syrien bestanden haben. Nicht nur Vornehme und Reiche, sondern auch die ärmeren Schichten scheinen die Erzeugnisse der Agäis erworben und benützt zu haben (Skarabäen, Amulette). Wenn auch der Landweg über Kleinasien und Ägypten dafür gangbar war, so dürften diese Im- porte doch hauptsächlich auf dem Seewege dorthin gelangt sein. Getreide, Ol und Wein, Metalle und wertvolle Steine wurden ein- *) Vgl. Fimmen, Zeit und Dauer der kretisch-mykenischen Kultur, 1909, sowie derselbe, Die kretisch-mykenische Kultur, 2. Aufl., 1924. Dazu auch G. Karo, Art. Ägyptische Beziehungen zur ägäischen Kultur in Max Eberts Reallexikon d. Vorgesch. ı (1924), sowie Roeders Art. Agäischer Einfluß auf Ägypten. Ebenda.