65 geführt. Darüber hinaus vermittelten die ägäischen Seefahrer auch Produkte weiter entlegener Länder, wie Bernstein, Silber, Zinn. Hauptsächlich waren Kreta und Cypern Mittelpunkte dieses Ver- kehrs?). Wie hier die natürlichen Bedingungen der insularen, bzw. maritimen Lage bereits in ältester Zeit den Seehandel hervorgerufen haben, und auch dazu führten, daß nicht nur einheimische Erzeug- nisse verfrachtet wurden, so ist heute nach den neuesten Forschungen auch als gesichert zu betrachten, daß diese ägäische Kultur Metall- geld besessen hat. Es waren Kupferbarren in Form des Doppel- beiles, für welche das alte Kupferland Kypros das Material lieferte. Sie finden sich häufig auf Kreta, das wohl der Hauptumschlagplatz dafür gewesen ist. Mehrfach treten Marken auf, teils eingestempelt, teils eingraviert. Möglich, daß diese Marken nur Fabrikszeichen sind, wie Regling meint*®). Ihr Verbreitungsgebiet reicht nicht nur nach dem griechischen Festland (Euböa, Mykenä), sondern bis nach Sardinien, Sizilien und Dalmatien. Da auf Wandgemälden in Ägypten aus der Zeit des Thutmosis III. (1501—1447 v. Chr.) die Keftiu (Kreter) und Retennu (Palästina) unter anderen Tributleistungen solche Barren darbringen und diese dort auf Denkmälern mit den Metallbezeich- nungen Gold, Silber, Kupfer und Blei vorkommen“), so lassen sie sich auch bestimmter datieren. Sie dürften der sog. mittelminoischen Zeit zugehören, d. h. der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. Daß diese Barren schon nach bestimmten Gewichten hergestellt worden sind, also eine bestimmte Justierung bereits erfolgte, wie einige neuere Forscher annehmen, ist von Regling bezweifelt worden®). Immerhin gibt auch er zu, daß eine ungefähre Gewichts- angleichung dadurch möglicherweise herbeigeführt worden sein kann, daß die Schmelzhütten dieselben oder gewohnheitsmäßig gleich große Gußformen verwendeten. ?) Vgl. Art. Agäischer Einfluß auf Palästina-Syrien von Peter Thomsen. Ebendort, sowie die daselbst zit. Spezialliteratur. 3) Vgl. d. Art. Geld v. Regling in Max Eberts Reallexikon d. Vorgesch. IV (1926), S. 223 f. 4) R. Lepsius, Die Metalle i.‘ d. ägypt. Inschriften. Abhd. d. Preuß. Akad 1871, sowie J. N. Svoronos, t& xQÖta vopiopato Journal internat. d’arch&o- Jogie numismatique 9 (1906) =— französ. Übersetzung in Revue belge de numis- matique 1908—1910. 5) A.a.O. S. 224. Dopsch, Naturalwirtschaft,