58 unzulässig, weil es sich da um die. Wirtschaft eines Königs handelt, der nicht nur Großgrundbesitzer war, sondern auch sonst über Güter und Einkünfte, sowie abhängige Leute mannigfachster Art verfügte. Aber die griechische Gesellschaft jener Frühzeit bestand ja nicht nur aus Fürsten! Wir ersehen aus Hesiod, daß es um 700 v. Chr. in Böotien auch Kleinbauern gab, die ihr Eigentum an Grund und Boden selbst bewirtschafteten, zugleich aber sich nicht nur leibeigener Knechte, sondern auch freier Taglöhner mit be- dienten). Man konnte sich solche je nach Bedarf beliebig aussuchen. Aus Hesiods Schilderungen geht insbesondere auch hervor, daß damals bereits Berufshandwerker mannigfacher Art existierten!?). Zu seiner Zeit war selbst in Böotien, wo der Ackerbau vorherrschte, doch die Schiffahrt als einträgliche wirtschaftliche Betätigung schon anerkannt?®), Pöhlmann hat das Verdienst, verschiedene wirtschaftliche Er- scheinungen Altgriechenlands, die man früher als Überreste ur- sprünglichen Agrarkommunismus’ aufgefaßt hatte, richtig erklärt zu haben. So muß der Kommunistenstaat auf Lipara, einer Kolonie von Rhodos, jetzt, da die ägäische Kultur von dort bekanntge- worden ist, durchaus anders aufgefaßt werden und kann unmög- lich mehr als Zeugnis archaischer Wirtschaftsformen verwertet werden**), Auch das, was über die Agrarverfassung Kretas und einen ursprünglichen Agrarkommunismus Spartas angenommen worden ist, verliert jetzt an Wahrscheinlichkeit, da wir wissen, daß die alte ägäische Wirtschaft, welche ja gerade in Kreta ihr Zentrum hatte, aber auch von da nach dem Peloponnes verbreitet wurde?*), die bekannte Grundlage für die spätere altgriechische Entwicklung bildete?®), Wirtschaft des Einzelhaushalts als die maßgebende Lebensform“ des homerischen Zeitalters bezeichnet. “) Vgl. Hesiod op. 602, dazu Ed. Meyer a.a.O, S.706 n. 2. *) Op. 25, vgl. dazu Ed. Meyer a.a.O. S.707 n. 1. 1) Ed. Meyer a. a. O. S. 709. — Vgl. jedoch dazu besonders J. Hasebroek, Staat u. Handel im alten Griechenland (1928), 5.68 £., der davor warnt, ein hochentwickeltes Handelsleben in der Mitte des 6. Jahrhunderts anzunehmen! 1) Gesch. d. sozialen Frage u. des Sozialismus der antiken Welt, 3. Aufl.. v. F, Oertel (1925), 1, 37 f. 2%) Vgl. G. Glotz, La civilisation Eg&enne. 1923, S.231 f. 16) Vgl. ebenda S. 445 ff.