69 Pöhlmann hat gezeigt, daß so manche Erscheinungen der älteren griechischen Verfassungs- und Wirtschaftseinrichtungen aus den besonderen Verhältnissen, sei es lokaler Bedingungen, sei es späterer politischer Notwendigkeit erst zustande gekommen sind. Sie lassen sich daraus ungezwungen erklären, ohne daß wir davon Rückschlüsse auf urzeitliche Primitivformen ziehen dürften”). Sicherlich hat dann seit dem 8. Jahrhundert der Handel in Griechenland einen Aufschwung genommen?®): Ich möchte aber nicht glauben, daß die Griechen erst jetzt aus einem Volke von Bauern und Hirten ein Volk von Schiffern geworden sind!®), daß die mykenische Zeit nur Ackerbau und Landverkehr gekannt habe?) und erst infolge der Besitznahme der Inseln und der klein- asiatischen Westküste jene wirtschaftliche Umwälzung angebahnt wurde, die der ganzen späteren Geschichte ihren Charakter geben sollte*!). Vielmehr dürfen wir heute auf Grund der Forschungen über die ägäische Kultur wohl annehmen, daß keine so plötzliche Umwälzung statthatte, sondern die Entwicklung eine allmähliche gewesen ist, zumal ja auch die Inseln und die Westküste Klein- asiens an dieser ägäischen Kultur schon Teil gehabt hatten?”). Insbesondere war Troja damals schon ein wichtiger Markt und Umschlagplatz zwischen dem Innern Kleinasiens und dem Westen (griechische Küste). Die Herren Kleinasiens, die Hettiter, standen in Beziehung zu dieser Kultur der Agäis*®). Als die dorische Ein- wanderung stattfand (ca. 1200 v. Chr.) wurde diese alte Kultur zwar großenteils vernichtet und das Land neu aufgeteilt, aber die Veränderungen, welche im Wirtschaftsleben eintraten, berührten die für unsere Betrachtung maßgebenden Grundfragen nicht un- mittelbar. Neue Herren traten in Besitz des Landes. Jedoch war die Grundherrschaft doch früher schon hier vorhanden, wie die 1”) A.a.O., 1°, Sf. u. 46. sowie 65 £. 1) Ed. Meyer a.a.O. 709. 2) So Beloch a.a.O. ı?, 202. %) So Beloch a.a.O. S. 204. %) Ebda. S. 202. | 2?) Vgl. Fimmen, Die kretisch-mykenische Kultur (1921), S. 102 ff., sowie Glotz a.a.O. S. 251 ff. %) Vgl. E. Forrer, Vorhomerische Griechen in den Keilschrifttexten von Boghazköi, Mitt. d. Deutsch. Orientgesell. Berlin 63 (1924), sowie P. Kretschmer, Alaktandus, König v. Vilufa, Glotta 13, 205 ff. (1924).