76 tigen Impuls gab. Denn wiewohl dort seit den Münzprägungen des Dareios die alten Naturalleistungen in Geld zu entrichten waren, so wurden diese Geldeingänge doch nicht in Zirkulation gesetzt, sondern großenteils von den Königen thesauriert*®). Alexander fand in den von ihm eroberten Königsburgen von Susa, Ekbatana und Persepolis große Schätze von Edelmetall vor, die tot lagen. Er wich von diesem System ab und ließ große Mengen dieser Edelmetalle ausprägen. Diese gewaltige Vermehrung der Zirkulationsmittel hatte nun alsbald wichtige wirtschaftliche Folgen gezeitigt®®). Wir bemerken die Wirkungen selbst in Ägypten, das ja ver- möge seiner Bodenbeschaffenheit seit alters das Musterland der Naturalwirtschaft gewesen ist. Eine Steigerung der Geldwirtschaft wird da ersichtlich. U. Wilcken hat geradezu von einem „Mer- kantilismus‘“ dort gesprochen”). Der Staat ist der Hauptunter- nehmer, er verfügt auch über die größten Geldeingänge, die könig- lichen Monopole beherrschen das ganze Wirtschaftsleben. Aber gleichwohl ist ein Nebeneinander der beiden Wirtschaftsformen, Natural- und Geldwirtschaft, zu konstatieren*®?). Wilcken hat auch schon hervorgehoben, daß Unterschiede bemerkbar werden. Nicht nur lokaler Art. Die Städte mit Industrie und Handel neigten mehr zur Geldwirtschaft, das flache Land mehr zur Naturalwirt- schaft. Beide treten auch in der Finanzverwaltung nebeneinander auf: Geldeinnahmen neben den Naturalbezügen, Die Steuern sind überwiegend Geldleistungen, nur die Grundsteuer wird in natura entrichtet. Jedoch ergibt sich die wichtige Beobachtung, daß nur solche Naturalien erhoben wurden, die auch in natura vom Staate wieder verbraucht wurden. Vor allem bleibt die Naturalverpflegung aller im königlichen Dienst Stehenden aufrecht, im besonderen des Heeres und der Beamtenschaft, die aber außerdem auch Sold, bzw. Gehalt in Geld erhielten. Der König verfügte über zahlreiche Ländereien, von welchen ein Teil den Soldaten zu Lehen gegeben wurde (yj *AnoovyuxH), auf daß sie davon ihren Lebensunter- halt beziehen sollten. In der Zeit vom 3. zum 2. Jahrhunderte ist 55) Siehe oben S. 58. 5%) Vgl. U. Wilcken, Alexander d. Gr. und die hellenistische Wirtschaft. Schmollers Jb. f. Volkswirtschaft 45, 349 ff. (1921). 57) A.a.O. 5.65 ff, 5) Ebda. 5. 80 ff.