17 Silbermünzung an dessen Stelle trat. Tatsächlich hat es schon zur Zeit der Merowinger neben Goldprägungen auch viele Silber- münzen gegeben, u. zw. schon seit dem 6. Jahrhunderte. Der argenteus bei Gregor von Tours ist dasselbe, was im 7. Jahrhundert Denar heißt?). Auch im geschäftlichen Verkehr des Alltags (Kauf und Ver- kauf, Handel und Darlehen) — das soll doch nicht übersehen werden — bediente man sich damals schon des Silbers neben dem Golde, u. zw. auch nach Gewicht (libra argenti)®®). Anderseits ist ebenso irreführend zu behaupten, es habe die Goldmünzung zur Karolingerzeit völlig aufgehört. Sie dauerte in Italien weiter fort und ist ebenso auch bei den Friesen und Sachsen, sowie im Osten bei den Bajuvaren während der Karolingerzeit nachzuweisen?®). Das stärkere Übergewicht der Silbermünzung ist somit auf Gallien und Westdeutschland beschränkt. Es kann also nicht die Blockierung des Mittelmeeres durch die Araber die Ursache dafür gewesen sein, daß dort gerade die Goldmünzung zurückging und die Silbermünzung überwog. Denn sonst hätte dieselbe Ursache doch auch in Bayern, bei den Sachsen und Friesen die gleiche Wir- kung hervorrufen müssen, vor allem aber gerade im Süden, in [talien (Mittelmeergebiet!) Tatsächlich erfolgte in der Karolingerzeit kein Übergang von der Gold- zur Silberwährung, vielmehr war nach wie vor eine Doppelwährung vorhanden“). Übrigens läßt sich durch die neuere Münzgeschichte an einem klassischen Beispiele dartun, daß die Be- vorzugung der Silberprägung gegenüber der vorhandenen Gold- währung weder auf einen Mangel an Gold zurückgehen, noch auch als Zeichen eines wirtschaftlichen Rückschrittes betrachtet werden müsse, Bekannt ist, daß am Beginne des 16. Jahrhunderts in Deutschland an Stelle des fortgesetzt verschlechterten Goldguldens 7) Vgl. zu Prou, Les Monnaies Merovingiennes, Introduct. p. CVI, meine Bemerkungen in „Wirtschaftl. u. soziale Grundlagen d. europäisch. Kultur- entwicklung“ II’, 492, . %) Vgl. Form, Marculfi II. n. 26 sowie Gregor v. Tours, Lib. in gloria confess. c. 110. MG. SS. rer. Merov. I, 819; endlich Soetbeer a. a. O. 2, 312. %) Vgl. die Belege dafür in meinem Buch „Die Wirtschaftsentwicklung der Karolingerzeit“ II?, 328 £, VS n %) Vgl. Ph. Heck, Beitr. z. Gesch. d. Stände im MA. I. Die Gemeinfreien der karoling. Volksrechte, S. 144 £f. (1900).