142 Quellen im einzelnen nachgewiesen worden**), so daß ich mich hier mit dem Verweis auf sie begnügen kann. Und der Verfasser der älteren von beiden, J. W. Thompson, hat 1915, bevor Pirennes Thesen aufgestellt wurden, gerade das bestritten, was dieser als entscheidend betrachtet: „Selbst in der härtesten Periode des Mittel- alters“, sagt er, „kehrte Frankreich nicht gänzlich zu einer rein land- wirtschaftlichen Organisation der Gesellschaft zurück. Die Meinung jener Wirtschaftshistoriker, die behaupten, daß die sog. geschlossene Hauswirtschaft der Fronhöfe eine Illusion sei, werde durch die, wenn auch mageren Quellen des 9. Jahrundertes bestärkt und ge- festigt®).“ Ich will hier nur einige Hauptpunkte besonders noch berühren und an der Hand der Quellen untersuchen, die Pirenne speziell hervorgehoben hat. Einmal: der Handel der Karolingerzeit nehme einen so winzigen Platz im Wirtschaftsleben ein, daß man ihn als bedeutungslos betrachten könne. Im Süden seien die Häfen des Mittelmeeres vollkommen gesperrt. Um Häfen zu finden, die sich noch dem Außenhandel eröffneten und auf ihre Nachbarschaft ein- wirkten, müsse man nach dem äußersten Norden Galliens gehen. Tatsächlich waren noch im 9. Jahrhunderte, u. zw. nicht nur unter Karl d. Gr., die südfranzösischen Häfen doch noch wichtige und belebte Handelsplätze, wie die Urkunde König Bosos von Niederburgund (879—890) für die Kirche von Arles beweist®*). Wenn auch Plünderungen durch die Sarazenen wiederholt statt- fanden, so darf man sich die Sachlage doch keineswegs so vorstellen, als ob es dort im 9. Jahrhunderte überhaupt keinen Handel mehr gegeben hätte. Viel ausgedehnter und verheerender waren die Einfälle der Sarazenen doch später, am Beginn des 10. Jahrhundertes®), Pou- pardin, ein sehr guter Kenner der Quellen, hat geurteilt, man könne nicht annehmen, daß im Jahre 923, als der Bischof von ®) J-W. Thompson, The commerce of France in the ninth century, The Journal of Political Economy 23, 857 ff. (1915), sowie P. Kletler, Nordwest- europas Verkehr, Handel und Gewerbe im frühen Mittelalter. Wien 1924 (Deutscher Kultur, Histor. Reihe, herausg. v. A. Dopsch 2). 3) A.a.O. S. 887. %) Bouquet, Recueil 9, 686: portum etiam Arelatensem tam ex Graecis quam ex aliis advenientibus hominibus, necnon et teloneum simul cum moneta. %) Vgl. R. Poupardin, Le Royaume de Provence sous les Carolingiens. [901, D. 260.