212 Edelmetall für Münzzwecke vorhanden war. Und als ein Mittel diesem Mangel abzuhelfen, wurde unter anderem damals empfohlen, es sollten die Regierungen darauf sehen, daß die inländischen Kauf- leute die im Reiche nicht erhältlichen notwendigen Waren „nicht mit barem Gelde, sondern gegen inländische Waren tauschweise an sich erhandeln®®)*“. Auch in England empfahl Ende des 16. Jahrhunderts William Stafford in seinen „Gesprächen über die in der Bevölkerung ver- breiteten Klagen“ vom Jahre 1581, um den für England nach- teiligen Handel der fremden Kaufleute zu steuern, man solle den Naturaltausch befürworten, und die Fremden sollten verhalten werden, die in England benötigten Waren zuzuführen, um dafür die besonders begehrten Erzeugnisse Englands (Wolle, Zinn u. a. m.) zu gewinnen®”). Am bekanntesten ist wohl, welche Rolle der Warentausch in den neuerworbenen Kolonien der europäischen Großmächte seit der Entdeckung Amerikas und der Auffindung des Seeweges nach Indien gespielt hat, ja heute zum Teil immer noch spielt. Es sind oft minderwertige Dutzendwaren (Glasperlen, kleine Schellen, eiserne Schlösser, färbige Bänder u.s. w.), mit welchen wertvolle und’ seltene Güter oder Naturprodukte der Kolonien eingehandelt wurden, so z. B. Elfenbein®). In Kanada ist bei den ersten Koloni- sationsversuchen der Franzosen (1541—1543) Pelzwerk gegen Eisen gehandelt worden”). Auch der Neger- bzw. Sklaven- handel soll hier Erwähnung finden, da als Kaufpreis für einen Sklaven oft Naturalien ‚gegeben wurden, so Branntwein, grobes Tuch oder eiserne Stäbe, Armringe, Ol, Strümpfe und andere geringwertige Waren®?), Besonderen Absatz fanden auch Baumwoll- und Leinengewebe, wobei geringere Sorten gut abgesetzt werden konnten, da die Käufer in den Kolonien bunte Farben liebten und eben diese auch ermöglichten, Fehler im Gewebe oder Rohstoff selbst 88) Vgl. W. Schwinkowski, Die Reichsmünzreformbestrebungen d. Jahre 1655—1670. Vjschr. f. Soz. u. Wirt. Gesch. 14, ı ff., bes. S. 19 (1918). 8%) Vgl. L. D. Pesl a. a. O. S. 210. %) Vgl. H. Wätjen, Zur Gesch. d. Tauschhandels an d. Goldküste um die Mitte des ı7. Jahrhunderts. Festschr. f. D. Schäfer (1915), S. 554. %) Vgl. R. Häpke, Der erste Kolonisationsversuch in Kanada. Hansische Gesch. Bl. 17, 416 (1911). ®) Vgl. H. Wätjen, Der Negerhandel in Westindien und Südamerika bis zur Sklavenemanzipation. Hansische Gesch. Bl. 1913, 19, 425f.