219 Lehensgütern materiell und finanziell zur Erfüllung ihrer Dienste befähigt wurden und die Ausstattung mit Lehen gewissermaßen die Vorbedingung dazu gebildet habe. Das alte Ägypten zeigt aber noch eine wichtige Erscheinung: Durch die unabhängige Stellung der Gaufürsten wird zwar das Gefüge des Staates im mittleren Reich gelockert, aber gerade die königliche Schatz- und Güterverwaltung bleibt unangetastet und ist wie im alten Reiche zentralisiert*®). Ja, sie tritt jetzt sogar noch mehr hervor als früher. Das zeigt doch, wie sehr der Staat, oder besser gesagt der Pharao imstande war, eine Amtsentlohnung auch sonst zu gewähren; oder anders ausgedrückt: Das Lehen war keineswegs ein Auskunftsmittel der Entlohnung, weil die Möglichkeit zu einer direkten Bezahlung sonst gefehlt hätte. Diese Gaufürsten stellen einen Adel dar und waren Große, die nicht erst durch die Belehnung seitens des Pharao in diese gehobene Stellung gelangt sind. Sie hatten ihrerseits eine Gefolg- schaft von Dienstmannen und Leuten, die zu ihnen in einem der Vasallität ähnlichen Schutz- bzw. "Treueverhältnis (Amaku) standen??). Das Lehenswesen kommt aber auch in solchen Staaten des Altertums vor, die bereits eine ausgebreitete Geldwirtschaft be- saßen. So z. B. in Altbabylon!®). Der König gab Grundstücke an Soldaten zu Lehen mit der Verpflichtung zum Kriegsdienst. Sie vererbten sich auf die Nachkommen und waren unveräußer- lich. Es waren Militärkolonisten, aus denen später Grundbesitzer wurden, die außer ihren unveräußerlichen Lehen andere Lände- veien pachteten und allerlei Geschäfte machten. Auch hier kann nicht die Unfähigkeit, in Geld zu zahlen, der Grund für solche Einrichtungen gewesen sein, denn die Kosten für das Heer wurden nicht nur durch Naturallieferungen gedeckt, die Löhnung der Soldaten vielmehr in Geld (Silber) gezahlt. Besonders sei noch hervorgehoben, daß auch die Soldaten, welche Staatsländereien 1) Ebda. S. 107. 4) Vgl. A. Moret, La condition des f&aux en Egypte. Recueil des travaux relat. A la philol. et l’archeol. Egyptienne (1897), 19, 112 ff., bes. 126, sowie R. Thurnwald, Staat u. Wirtschaft im alt. Ägypten. Zschr. f. Sozialwiss. (1901), 4, 697 ff. . 1) Vgl. B. Meißner, Babylonien und Assyrien. Kulturgesch. Bibl. herausg. v. W. Foy, ı. Reihe, 3, 86 (1920).