237 getreten, aber soviel ist richtig, daß vielfach eine Arrondierung und Ausbreitung der großen Grundherrschaften auf Kosten der kleinen freien Landwirte doch erfolgte, daß nicht selten auch eine soziale Depression dieser damit Hand in Hand ging. Durch Auf- tragung (Tradition) des freibäuerlichen Bodens an die großen Grundherren, vor allem die Kirche, aber auch den König oder Grafen!), wuchs die Grundherrschaft immer mehr, auch wenn nicht sofort das ganze Besitztum der Tradenten an jene überging. Und wie immer dadurch noch nicht ein wirtschaftlicher Groß- betrieb zustande kam, da ja die Prekaristen ihren Kleinbetrieb weiterführen konnten*), so betätigten die großen Grundherren, Kirche wie Laienadel, auch damit eine kapitalistische Unter- nehmung, daß sie die landwirtschaftlichen Produkte ihrer Hinter- sassen von diesen zu billigem Preis, welchen sie selbst niedrig be- stimmten, d. h. drückten, zur Zeit der Ernte aufkauften*®”), um dieselben dann später ihrerseits mit großem Gewinn viel teurer abzusetzen. Der kapitalistische Geist, d. h. das Gewinnstreben, wird aber nicht nur darin deutlich, wir können ihn auch sonst noch beob- achten. Ich hebe nur hervor, daß bei der kirchlichen Großgrund- herrschaft die Prekariengeschäfte oft künstlich zustande gekommen sind, indem die Kirche durch Ausmalung der Höllenqualen und himmlischen Strafen die Auftragung von Grundbesitz mit sanftem Druck selbst herbeiführte, derart, daß die Staatsgewalt sich ver- anlaßt sah, dagegen einzuschreiten!*), ja auch die Konzilien sich 101) Ebda. 1”, 196f£. u. 327 f. 02) Ebda. 1, 244 ff. sowie 2178. wos) Vgl. das Verbot des Konzils v. Paris v. J. 829: quod in quibusdam occidentalibus provinciis suadente avaritia episcopi et comites et ceteri praelati pauperibus sibi subiectis soleant edictum imponere, ut nullus illorum tempore messis modium frumenti nec tempore vindemiae modium vini maiori praetio, nisi quod ab eis constituitur, vendere praesumat. Unde fit, ut cum aliis modius frumenti ı2 9 et modius vini 20.4 venundari possit, huiuscemodi seniores modium frumenti ad quattuor et modium vini ad sex sibi extorqueant denarios. M. G. Concil. 2, 645 c. LIL 104) Vgl. das Verbot Karls d. Gr. vom J. 811, MG. Capitul. 1, 163 C. 5} Inquirendum etiam, si ille seculum dimissum habeat, qui cotidie possessiones suas augere quolibet modo qualibet arte non cessat, suadendo de coelestis regni beatitudine, comminando de aeterno supplicio inferni et sub nomine Dei aut cuiuslibet sancti tam divitem quam pauperem, qui simpliciores natura sunt et minus docti ataue cauti inveniuntur, sic rebus suis expoliant...