242 wirtschaften hauptsächlich auch durch die Frondienste der Indianer betrieben***). Und nun kann gerade in diesem Zusammenhang auch die Anspannung und Steigerung der Fronden durch die deutsche Gutsherrschaft nicht mehr auffallen oder gegen den kapitalistischen Charakter derselben ins Treffen geführt werden. Auch da bedient sich der Kapitalismus der Naturalwirtschaft, weil er dadurch billigere Arbeitskräfte gewinnt, oder anders ausgedrückt, höheren Gewinn erzielte als mit teuer bezahlten Lohnarbeitern. So ermöglichte die Koexistenz von Natural- und Geldwirtschaft eine Verwertung ersterer zu kapitalistischen Tendenzen im Zeitalter vorgeschrittener Geldwirtschaft. Beide, Natural- und Geldwirtschaft, erscheinen da enge verknüpft und unterstützen einander gegenseitig. Das Gewinnstreben der großen Unternehmer betätigt sich gerade in der Verwendung von Naturalien zu Zahlungszwecken und vermag die wirtschaftliche Abhängigkeit von Hintersassen und Arbeitern mißbräuchlich auszunützen, indem sie diese zur Abnahme minderwertiger Waren gegen hohen Preis nötigen?*). Endlich sei hier auch noch darauf hingewiesen, daß gerade der Geldkapitalismus der neueren Zeit einen großen Teil seines Ver- mögens und Gewinnes in Grundbesitz anlegte und eben dadurch seinen Reichtum dauernd gesichert hat. Das haben in Italien die Florentiner (Medici) und andere Bankiers schon am Ausgang des Mittelalters, und auch in Deutschland verschiedene Kaufmanns- familien, besonders Jakob Fugger der Reiche (+ 1525), ebenso getan, der in Schwaben derart großen Grundbesitz erwarb, daß der Gedanke auftauchen konnte, er habe die Wiederaufrichtung des alten Herzogtums Schwaben für das Haus Fugger angestrebt!®), Tatsächlich hat eben dieser Großgrundbesitz später die Fugger vor dem finanziellen Ruin bewahrt, der bei anderen großen Geld- kapitalisten in Deutschland nachher infolge von Finanzkrisen ein- getreten ist. 133) Siehe oben S. 213. 134) Siehe oben S. 208. . x Vgl. J. Strieder, Jakob Fugger d. Reiche (1926), bes. S. 90 ff.