256 hat sich auch tatsächlich nicht nur in den Städten abgespielt’). In Wirklichkeit waren ganz andere Merkmale für die Stadtwirtschaft charakteristisch, welche v. Below sehr klar auseinandergesetzt hat (Gäste- und Stapelrecht, Vorkaufs-, Bann- ı und Meilenrechte u. Ss, W.)*). Endlich noch ein Wort über die wirtschaftliche „Autarkie des Oikos“ bzw. der geschlossenen Hauswirtschaft. Die wirtschaftliche Selbstherrlichkeit war ebensowenig historisch vorhanden wie die Geschlossenheit der Hauswirtschaft an sich. Denn diese war gar nicht unabhängig von der Außenwelt, sondern auf sie angewiesen, da sie eben nicht den gesamten Bedarf aus eigenem zu erzeugen vermochte®). Man könnte viel eher von einer Autarkie der mittelalterlichen Stadt sprechen, wie sehr dies auch gegen den Geist der Bücherschen Theorie verstoßen mag. Die Bezeichnung „geschlossene Stadtwirt- schaft“ ist jüngst geradezu schon von einem der besten Kenner deutscher Stadtwirtchaft des Mittelalters bei der Schilderung der Verhältnisse Lübecks im 14. Jahrhundert gebraucht worden, um das Wirtschaftsprogramm dieser Stadt von damals zu charakteri- sieren*°). Die Stadt hat im Mittelalter eine Selbstversorgung min- destens sich zum Ziele gesetzt und wirtschaftlich tatsächlich auch den Bedarf ihrer Bewohner zu befriedigen vermocht*). Natürlich nicht durch Selbsterzeugung — obwohl auch da bemerkenswerte Ansätze und Vorkehrungen getroffen wurden (z. B. Almende, Grund- und Bodeneigentum außerhalb der Stadt, Vorratswirtschaft u. s. w.)'“) —, wohl aber durch eine bestimmte, auf die Bedarfs- deckung abzielende Stadtwirtschafts- und besonders Handelspolitik ‚Lebensmittelbeschaffung, Marktzwang, Stapelrecht, Gästerecht a. a. m.)*!). Die Autarkie einzelner Wirtschaftskörper kommt noch am ehesten, entgegen der Bücherschen Theorie vielmehr in den neueren Zeiten vor, so besonders als Zielsetzung der merkantilistischen ’) Gegen die Schwäche dieser Charakterisierung hat bereits W. Sombart polemisiert. Arch. f. soziale Gesetzgeb. 14, 385 f. %) Histor. Zschr. 86 (1901) — Probleme der Wirtschaftsgesch. 143 ff., bes. 202 ff. *) Siehe oben S. 10 f. 9) F. Rörig, Hansische Beiträge z. Deutschen Wirtschaftsgesch. 1928, S. 232. 4) v. Below, Probleme, S. 220 u. 229. '?) Siehe oben S. 184 f. ®) v. Below a.a.0. S. 243.