257 Wirtschaftspolitik des absolutistischen Territorialfürstentums (He- bung der heimischen Produktion, Kornspeicherung, Prohibitivzölle u. s. w.)!‘) sowie in der Weltwirtschaft der jüngsten Vergangenheit, da die Not des Weltkrieges (Hungerblokade) eine Selbstversorgung und wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Auslande als wichtige Vor- bedingung für die Erreichung des volitischen Kriegszieles erkannt hat. Leider war bei den Zentralmächten gerade dafür so gut wie keine Vorkehrung getroffen! Es ist einer der noch viel zu wenig betonten großen Irrtümer der Bücherschen Stufenlehre, daß sie die Vorstellung erwecken muß, als ob wirtschaftliche Selbstversorgung und Unabhängigkeit nach außen, bloß auf der frühesten Stufe der wirtschaftlichen Ent- wicklung oder doch hauptsächlich bei den großen Grundherrschaften des Altertums und des Mittelalters (Fronhof wirtschaft) möglich sei, dann aber die stärkere Verbreitung der Tauschwirtschaft mit Ent- Faltung des Handels diese Autarkie aufgelöst habe. Auch in dieser Beziehung wird auf Grund der früher gebotenen historischen Dar- stellung nunmehr eine zutreffendere Beurteilung möglich sein. Die Fronhofwirtschaft des Mittelalters war ebensowenig autark wie jene des klassischen Altertums; beide benötigten des Handels zur Er- gänzung des von ihnen nicht selbst erzeugten Bedarfs. Aber dieser Handel war ja gerade im Mittelalter nicht frei, sondern ganz be- stimmten Beschränkungen - unterworfen. Schon die Zollprivilegien der fränkischen Zeit geben uns da einen wichtigen Fingerzeig. Sie gewährten kirchlichen Instituten, auch geistlichen Großgrundherr- schaften Zollfreiheit, doch nur für deren Eigenbedarf. Anderseits aber sind die Stapel- und Vorkaufsrechte der Städte sowie auch das Gästerecht, doch nicht bloß ein negatives Vorzugsrecht der Bürger, sondern auch dazu bestimmt, den Bedarf der Stadt an der Handels- ware zu decken und zu sichern!*). Also auch der Handel selbst in den bekannten Beschränkungen mittelalterlicher Zeiten (Ausfuhrs- verbote u. s. w.) kann der Autarkie dienen, indem er für die wirt- schaftlichen Bedürfnisse der Städte durch eine eigene Wirtschafts- politik ausgenützt wurde. 4), Vgl. dazu Rob. Wilbrandt, Die Entwicklung der Volkswirtschaftslehre. 1924, S. 3- 25) Vgl. G. v. Below, Mittelalterl. Stadtwirtschaft und gegenwärtige Kriegs- wirtschaft. Kriegswirtschaftl. Zeitfragen v. F. Eulenburg 10, 1917, S. 26 ff. Dopsch, Naturalwirtschaft, z-