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        <title>Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte</title>
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            <surname>Dopsch</surname>
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solche, die nicht sehr weit voneinander entfernt sind und den- 
;elben Dialekt reden, kommen von Zeit zu Zeit an bestimmten 
Orten zusammen, um dem Tauschhandel zu obliegen. Die ein- 
zelnen Gruppen suchen besonders jene Produkte und Gegenstände 
einzutauschen, die an ihren Wohnsitzen nicht gefunden, bzw. von 
ihnen nicht hergestellt werden“). 
Dazu sei auch auf die Ergebnisse der Sprachforschung ver- 
wiesen. O. Schrader konnte feststellen, daß die Grundbegriffe eines 
primitiven Tauschhandels in die Urgeschichte des indogermani- 
schen Stammes zurückgehen. Für die Begriffe Tauschen, Kaufen, 
Kaufpreis und ähnliche finden sich in den indogermanischen 
Sprachen schon in alten Zeiten übereinstimmende Ausdrücke vor, 
wie dies in ähnlicher Weise auch in der Urzeit der westfinnischen 
und uralaltaischen Völker der Fall gewesen ist”). 
Auch das, was Bücher über den sog. stummen Handel®), sowie 
den Geschenkhandel und Raubtausch angenommen hatte, trifft 
nicht zu. Dafür sind einleuchtende Erklärungen besonders neuer- 
dings durch Leroy”) gegeben worden, so daß das was vorliegt, eine 
einwandfreie Lösung erfährt, ohne daß wir zur Theorie Büchers 
unsere Zuflucht nehmen müßten. Vor allem kommt neben dem 
Austausch von Geschenken doch auch noch ein richtiger und 
eigentlicher Tausch vor. Für die Scheu aber, welche primitive 
Völker gegenüber fremden Tauschgegnern bekunden, den sog. 
stummen Tausch®), mochten die schlimmen Erfahrungen, die sie 
zuvor gemacht hatten, vor allem die Gefahr, versklavt zu werden, 
eine genügende Erklärung bieten. Auch die Ansammlung von 
%) Ebda. S. 461 (nach Man E. H., On the Aboriginal inhabitants of the 
Andaman Islands. London 1883). 
5) Linguistisch-histor. Forschungen zur Handelsgeschichte und Waren- 
kunde. Jena 1886, S.6r. Dazu auch F. Soml6, Der Güterverkehr in der Ur- 
gesellschaft. 1909 (Institut Solvey, Notes et Mäe&amp;moires fasc. 4), bes. S. 140- 
8) Vgl. darüber auch R. Hennig, Der stumme Handel als Urform des 
Außenhandels. B. Harms Weltwirtsch. Archiv ı1, 26s ff. (1917)- 
7) Essai d’introduction critique A Petude de l’&amp;conomie primitive. Paris 
1925, bes. S. 87 ff. Dazu auch der Artikel „Handel bei Naturvölkern“ von 
Fr. Graebner‘ in K. Andrees Geographie des Welcthandels, neu bearbeitet von 
F. Heiderich und R. Sieger, 1, 149 £f. 
8) Ebda. S.94; vgl. dazu auch Koppers a. a. O. S. 464 und F. Somlö6 
a. a. O. S. 147 £.</div>
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