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        <title>Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte</title>
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rechnet und zahlt seit der Mitte des neuen Reiches nach Gewichts- 
quanten (Deben, und !/,, davon Kite) von Silber oder Kupfer. 
Es scheint, daß seit der 22. Dynastie (etwa 945 ff. v. Chr.) bis in 
die Zeit der Perserherrschaft dann eine Stempelung oder Be- 
glaubigung des Feingehalts durch die Beamten der Schatzhäuser 
erfolgte, welche nach einzelnen Gottheiten benannt waren, z. B. 
Silber vom Schatzhaus des Gottes Harsaphes, vom Schatzhaus 
von Theben, vom Schatzhaus des Ptah u.a. m.**®). 
Jedenfalls waren zu Ende des neuen Reiches unter Ramses III. 
die Tempel der großen Städte Theben, Heliopolis und Memphis 
auch im Besitze von beträchtlichen Abgaben an Gold, Silber und 
Kupfer neben verschiedenen Naturalleistungen**). 
Später treffen wir in Ägypten Hacksilberfunde. Ganze und 
gehackte griechische Münzen des 6. bis 4. Jahrhunderts v. Chr. 
oft zusammen mit ganzen und zerschnittenen Silbergußstücken, 
besonders in Form von Kugelsegmenten!*®). Erst unter Alex- 
ander d. Gr. ist auch in Ägypten selbst gemünzt worden*"®). 
Wir haben hier also in dieser ältesten Kulturperiode eine 
Naturalwirtschaft vor uns, die aber des Handels keineswegs ent- 
behrt. Der Naturaltausch überwiegt, jedoch kommt ein Ringgeld 
schon vor, das bereits vor dem Jahre 1100 v. Chr. von einer neuen 
Entwicklung abgelöst wird, indem bestimmte Gewichtsmengen 
Metalls eine Geldeinheit bilden, nach der die Sachgüter gewertet 
werden. Auch der nächste Schritt zur Stempelung, bzw. Beglaubi- 
gung des Rohmetalls wird im 10. Jahrhundert v. Chr. gemacht. 
Die Berührung mit den griechischen Handelsstädten brachte dann 
zunächst fremde Münzen ins Land!®), die offenbar lange Zeit nur 
nach dem Edelmetallgewicht in Zahlung genommen wurden. 
Eigene Prägungen sind erst aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. 
bekannt. 
158) Vgl. Art. „Geld“ von Regling in M. Eberts Reallexikon der Vor- 
geschichte IV, $ 1ı3 und ıs- 
157) Vgl. Erman-Ranke a.a.O. S. 341. 
158) Regling a.a.O. 4, 226. 
15) Ebda. S. 238. Die Darstellung hier, daß Alexander d. Gr. die Münze 
erst nach: Ägypten gebracht habe, ist nicht ganz zutreffend. Siehe n. 160. 
16) In den alten dorischen Pflanzstädten der afrikanischen Küste, Kyrene 
und Barke, ist früher schon Geld gemünzt worden. Vgl. J. Brandis a.a.O. 
S. 201.</div>
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