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        <title>Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte</title>
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            <surname>Dopsch</surname>
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tigen Impuls gab. Denn wiewohl dort seit den Münzprägungen 
des Dareios die alten Naturalleistungen in Geld zu entrichten 
waren, so wurden diese Geldeingänge doch nicht in Zirkulation 
gesetzt, sondern großenteils von den Königen thesauriert*®). 
Alexander fand in den von ihm eroberten Königsburgen von Susa, 
Ekbatana und Persepolis große Schätze von Edelmetall vor, die 
tot lagen. Er wich von diesem System ab und ließ große Mengen 
dieser Edelmetalle ausprägen. Diese gewaltige Vermehrung der 
Zirkulationsmittel hatte nun alsbald wichtige wirtschaftliche Folgen 
gezeitigt®®). 
Wir bemerken die Wirkungen selbst in Ägypten, das ja ver- 
möge seiner Bodenbeschaffenheit seit alters das Musterland der 
Naturalwirtschaft gewesen ist. Eine Steigerung der Geldwirtschaft 
wird da ersichtlich. U. Wilcken hat geradezu von einem „Mer- 
kantilismus‘“ dort gesprochen”). Der Staat ist der Hauptunter- 
nehmer, er verfügt auch über die größten Geldeingänge, die könig- 
lichen Monopole beherrschen das ganze Wirtschaftsleben. Aber 
gleichwohl ist ein Nebeneinander der beiden Wirtschaftsformen, 
Natural- und Geldwirtschaft, zu konstatieren*®?). Wilcken hat auch 
schon hervorgehoben, daß Unterschiede bemerkbar werden. Nicht 
nur lokaler Art. Die Städte mit Industrie und Handel neigten 
mehr zur Geldwirtschaft, das flache Land mehr zur Naturalwirt- 
schaft. Beide treten auch in der Finanzverwaltung nebeneinander 
auf: Geldeinnahmen neben den Naturalbezügen, Die Steuern sind 
überwiegend Geldleistungen, nur die Grundsteuer wird in natura 
entrichtet. Jedoch ergibt sich die wichtige Beobachtung, daß nur 
solche Naturalien erhoben wurden, die auch in natura vom Staate 
wieder verbraucht wurden. Vor allem bleibt die Naturalverpflegung 
aller im königlichen Dienst Stehenden aufrecht, im besonderen des 
Heeres und der Beamtenschaft, die aber außerdem auch Sold, bzw. 
Gehalt in Geld erhielten. Der König verfügte über zahlreiche 
Ländereien, von welchen ein Teil den Soldaten zu Lehen gegeben 
wurde (yj *AnoovyuxH), auf daß sie davon ihren Lebensunter- 
halt beziehen sollten. In der Zeit vom 3. zum 2. Jahrhunderte ist 
55) Siehe oben S. 58. 
5%) Vgl. U. Wilcken, Alexander d. Gr. und die hellenistische Wirtschaft. 
Schmollers Jb. f. Volkswirtschaft 45, 349 ff. (1921). 
57) A.a.O. 5.65 ff, 
5) Ebda. 5. 80 ff.</div>
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