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        <title>Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte</title>
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            <surname>Dopsch</surname>
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Fouragelieferungen der Bauern und Landwirte sonst. Das kam viel 
billiger, weil auf beiden Seiten die Transportkosten erspart wurden, 
bei dem Verpflichteten sowohl wie bei dem Empfänger, und oben- 
drein auch noch der Gewinn des Zwischenhändlers ausgeschaltet 
werden konnte. 
Auch das, was in hellenistischer Zeit über Getreidedarlehen des 
Königs an Landwirte zum Zwecke der Aussaat sowie deren Rück- 
zahlung in natura aus den Papyri nachgewiesen worden ist, zeigt 
naturalwirtschaftliche Vorgänge gerade innerhalb der agrarwirt- 
schaftlichen Produktionskreise. Ich möchte nicht, wie U. Wilcken, 
aus dem Umstande, daß solche Naturaldarlehen eventuell in Geld 
zurückgezahlt werden sollten, schließen, daß eine adaeratio da vor- 
liege*). Auch diese Erscheinung läßt sich sowohl in viel älterer Zeit 
in Babylonien nachweisen®), wie auch in sehr später Zeit, noch im 
17. Jahrhunderte, in Osterreich®). Die Rückzahlung in Geld war 
wohl eher zur Erleichterung des Schuldners angeordnet, da er nach 
der Ernte infolge Getreideüberflusses zu dieser Zeit einen niedrigen 
Preis bloß zu entrichten brauchte. Auch hier können die Ver- 
hältnisse der neueren Zeit uns zur Parallele und Aufklärung 
dienen. 
Übrigens waren die Verhältnisse in der hellenistischen Zeit 
auch keineswegs überall so geartet wie in Ägypten. Das Reich der 
Seleukiden in Vorderasien weist bereits ein anderes Gesicht 
auf. Hier hatten die königlichen Domänen seit der Perserzeit her 
eine größere Bedeutung“), und es war im Zusammenhange mit dem 
Überwiegen der Landwirtschaft auch die Grundsteuer erheblicher, 
die hier in natura, meist den Zehenten vom Ertrage des Bodens, 
geleistet wurde. Im Seleukidenreich treten auch die sog. freiwilligen 
Beiträge (or&amp;pavoı) an den König auf, die schon Antigonos einge- 
führt hatte und nun zu einer regelrechten Abgabe ausgebildet 
wurden‘). Die griechischen Städte an der Küste Kleinasiens waren, 
wie schon früher unter Alexander d. Gr.. steuerfrei. Zur Auf- 
%) Wilcken a.a.O. 5.399 n. 6. 
*) Siehe oben S. 52. . 
%) Vgl. E. Patzelt, Entstehung und Charakter der Weistümer in Osterreich 
(1924), S. 100, sowie Anhang Il. 
6) Das tritt auch in der ps.-aristotelisch. Okonomik 1. IL, c. 1, hervor: 
atav de toUTOVY AQOTN Ev Xal KOaTiOTN N dnO NS YAS. 
68) Vel. Beloch, Griech. Gesch. 4?, 342 (1925).</div>
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