werbswirtschaften gibt, für die der Einsatz von Kapital keine oder
eine ganz unwesentliche Bedeutung besitzt”).
Nicht unter die Begriffsmerkmale der Unternehmung. nehme
ich die Trennung von der Hauswirtschaft. auf. Was zunächst
die räumliche, lokale Trennung anlangt, so ist sie absolut belanglos.
 Ob der Geschäftsinhaber in demselben Hause wohnt, in dem
er sein Geschäft betreibt, oder ob er an ganz anderer Stelle seine
Hauswirtschaft hat, kann für den Begriff der Unternehmung nichts
ausmachen. Anders liegt es dagegen mit der rechnerischen

1) Ebenso sagt Mataja (Der Unternehmergewinn, Wien 1884, S. 133 ff.):
„Nicht richtig ist es, zum Wesen der Unternehmung die produktive Anwendung von
Kapital zu rechnen. ... Es gibt Formen der menschlichen Tätigkeit, welche ein Einkommen
 abwerfen, keineswegs aber auf eine Linie mit der Lohnarbeit zu stellen sind;
die wirtschaftlichen Erscheinungen, die sich bei ihnen ergeben, präsentieren sich vielmehr
 ... ganz analog denen, die bei unbezweifelten Unternehmungen eintreten. ...
Es ist daher nicht richtig, wenn als begriffliches Merkmal der Unternehmung die Anwendung
 von Kapital gilt. Wenn dies wäre, was würden alle jene Produzenten sein,
die, lediglich auf ihre Arbeit gestützt, Produkte zum Verkauf bringen? Ihr Einkommen
unterscheidet sich in wesentlichen Hinsichten von dem des Lohnarbeiters: es liegt eine
Produktion auf eigene Rechnung und von Gütern vor, die nicht zum eigenen Konsum
bestimmt sind: die Einnahmen entspringen nicht der bloßen Ausführung der Arbeit,
über ihre Höhe entscheidet ferner. nicht das Verhältnis zwischen Vorrat und Bedarf
an Arbeit überhaupt, sondern den speziellen Arbeitsprodukten usw. Wenn das Einkommen
 der Personen bezeichneter Art kein Unternehmereinkommen wäre, müßte
man dann nicht neben dem Arbeitslohn (im engeren Sinne: Preis der vermieteten Arbeit),
dem Zinse, dem Gewinn und allenfalls der Rente noch eine fünfte Art des Einkommens
aufstellen und wissenschaftlich behandeln? Es ist also unberechtigt, nur dort von einer
Unternehmung zu sprechen, wo Kapital in Verwendung tritt. Dabei kann leicht eingeräumt
 werden, daß wir tatsächlich vielleicht nie wirklich kapitallose Unternehmungen
zu sehen bekommen. Die Existenz von Unternehmungen, selbst des einfachsten Stils,
setzt wohl regelmäßig eine derartige Entwicklung in wirtschaftlicher Hinsicht voraus,
daß eine kapitallose Arbeit zu den größten Seltenheiten, vielleicht Unmöglichkeiten,
zählt; um so viel weniger darf man erwarten, in unserer ökonomisch und technisch
so weit fortgeschrittenen Zeit rein kapitallosen Unternehmungen zu begegnen. Deshalb
aber den Begriff des Unternehmens einzuschränken, hieße denn doch ein historisches
 Merkmal, geschöpft aus einer bestimmten Entwicklungsstufe der Menschheit,
zu einem logischen machen zu wollen. Gegen die Annahme kapitalloser Unternehmungen
 kann nicht angeführt werden, daß es solche schon deshalb nicht geben könne,
weil jede Arbeitskraft vermöge der notwendigen Erziehungs- und Unterhaltungskosten
des Menschen bis zum Zeitpunkt seiner Arbeitstüchtigkeit eine Summe Kapital repräsentiere.
 Durch eine solche Annahme hätte man freilich mit einem Schlage alle kapitallose
 Arbeit aus der Welt geschafft; es würde zwar feststehen, daß es keine Arbeit
ohne Kapital gebe, aber eben wiederum auch, daß das Kapital nichts Charakteristisches
für den Begriff der Unternehmung abgeben könne, da es sich einfach überall und überall
vorfinden würde, und die Frage wäre nur dahin verändert, ob es Unternehmungen
geben kann, die kein weiteres Kapital als das im Menschen angelegte erfordern ‘’

Beiträge z. Lehre v. d. Unternehmungen. Heft ı1: Passow, Betrieb usw.