Anlage.
Betrieb und Unternehmung in der deutschen gewerblichen
Betriebsstatistik von 19075.

Das Problem. Für die Erkenntnis und Beurteilung unserer wirtschaftlichen
 Verhältnisse und der Kräfte, die fortwährend am Werke
sind, das Wirtschaftsleben umzugestalten, ist es von größter Wichtigkeit,
 Klarheit darüber zu gewinnen, wie sich die einzelnen Erwerbswirtschaften
 aufbauen, wieweit die mittleren und großen Unternehmungen
 das Gebiet wirtschaftlicher Betätigung für sich besetzt haben,
wieweit daneben noch Raum bleibt für den Geschäftsbetrieb des Handwerkers,
 des kleinen Detailkaufmanns u. dgl. m. Angesichts der unbestrittenen
 Bedeutung dieses Problems sollte man annehmen, daß
unsere mit großem Aufwand von Arbeit und auch Geld durchgeführten
gewerblichen Betriebszählungen uns über diese Punkte befriedigende
Aufschlüsse geben, und in der Tat liest man ja auch fortgesetzt in
der Fachliteratur wie in der Tagespresse, hört man vom Katheder
wie im Parlament und in der Volksversammlung, daß nach den Ermittelungen
 der Betriebszählung die Rolle des Handwerks gewachsen
oder gesunken sei, daß auf diesem oder jenem Gebiet die „kleinkapitalistischen“
 Unternehmungen stark gewachsen seien, daß wir Ssoundso
 viele Unternehmungen mit je mehr als 1000 beschäftigten Personen
 besäßen usw. Gegenüber diesen Darlegungen muß einmal
energisch betont werden, daß alle solche Zahlenangaben unzureichend
 fundiert sind. Wir können aus unserer Betriebsstatistik
 nicht genau ersehen, z. B. wieviel Geschäftsbetriebe
 von Handwerkern in Deutschland
existieren, wie hoch die Zahl der Unternehmungen
etwa mit 51—200 oder 201—1000 oder mehr als ıooo Per-')

 Diese Abhandlung ist zuerst 1911 in der Zeitschrift für Sozialwissenschaft
unter dem Titel „Kritische Betrachtungen über den Aufbau unserer gewerblichen
Betriebsstatistik‘“ erschienen (vgl. oben S. ı). Sie ist hier in einzelnen Punkten geändert
 und erweitert, auch ist der Nachtrag dazu, der 1918 in der gleichen Zeitschrift
(S. 84 ff.) erschien, hier eingearbeitet.