23 dieser Richtung hin tätig sind. Schon das Interesse an möglichst glatter Durchführung des Kartellzweckes hat in manchen Fällen — und zwar nicht nur in neuerer Zeit, sondern auch früher schon — dahin geführt, daß bei den Mitgliedern gleiche Kalkulationsmethoden eingeführt, daß die Fabrikate, die Sortimente usw. vereinheitlicht wurden, daß man an Stelle der Marken der einzelnen Firmen eine einheitliche Verbandsmarke einführte und dgl. Ebenso hat man natürlich darauf hingewirkt, daß bei der Versendung möglichst niedrige Frachtkosten entstanden, Über diese Maßnahmen, die einfach Mittel zur Erreichung des Kartellzweckes waren, sind gewiß auch einzelne Kartelle hinausgegangen und haben — auch das nicht erst neuerdings, sondern schon seit langem, man denke z. B. an die Propagandatätigkeit des Kalisyndikats — Maßnahmen zur Verbesserung der Produktion, zur Vergrößerung und Verbilligung des Absatzes ergriffen: aber eine allgemeine Erscheinung ist das nicht. Vor l) Eine Anerkennung dieser Tatsache findet sich in Nr. 4 der Schriften der Kartellstelle des Reichsverbandes der Deutschen Industrie (Jan. 1928). Dort sagt auf S.ı3f. Flechtheim: „Wenn man das zur Verfügung stehende Material betrachtet, hat man das Gefühl, daß zwar schon wertvolle Ansätze vorhanden sind — und zwar in einigen Industrien mehr, in andern weniger —, daß man aber noch weit davon entfernt ist, die Tendenz der Wirtschaftlichkeitsförderung als Allgemeingut der Kartelle betrachten zu können. Wenn deshalb neuerdings von wissenschaftlicher Seite der Typus des modernen Kartells als ‚Wirtschaftlichkeitsgemeinschaft‘ charakterisiert wurde, so ist das zum mindesten eine außerordentlich starke Übertreibung. Es wird ein Zustand, den der Verfasser wünscht, der aber nach meiner Ansicht, wenigstens in vielen Industriezweigen, überhaupt nicht erreichbar ist, schon als bestehend hingestellt.“ Das gleiche Resultat ergibt sich aus der im Dezember 1929erschienenen Schrift Nr. 5 der gleichen Kartellstelle. (‚‚Produktionsförderung durch Kartelle.‘) Der hier gegebene Auszug aus einer Materialsammlung über Produktionsförderung der Kartelle ist, wenn man die Gesamtheit der deutschen Kartelle ins Auge faßt, reichlich dürftig. Die Kartellstelle trägt dem übrigens in ihrem Vorwort in durchaus verständiger Weise Rech nung. Es heißt dort: ‚,‚Aus Kreisen der Wirtschaft tauchte die Vermutung auf, daß die Marktregelung in erster Linie den Rohstoff- und Halbzeug-Kartellen vorbehalten sei, während die höher zu bewertende Produktionsförderung ihre Domäne in der verarbeitenden Industrie hätte. Einige Befürworter dieser Produktionstätigkeit der Kartelle wollten auf diesem Aufgabengebiet bereits derartige Fortschritte sehen, daß man von einer Wesensänderung der Kartelle sprechen könne. Hier seien derartige schiefe und irreführende Urteile lediglich registriert. Ihre Zurückführung auf ein den Tatsachen entsprechendes Maß soll sich aus nachstehendem Material ergeben.‘ Das Vorwort schließt dann allerdings mit folgenden Sätzen: „Insgesamt kann auf Grund des der Kartellstelle vorliegenden und auch des nachstehend veröffentlichten Materials festgestellt werden, daß die Kartelle bei Vorhandensein der notwendigen Voraussetzungen in der Lage sind, unmittelbar produktionsfördernd zu wirken und bereits in großem Umfange nicht nur mittelbar, sondern auch unmittelbar die Produktion verbessert und verbilligt haben. Die Kartelle haben somit in organischer Fortbildung gemäß den Passow. Kaırtelle.