Das tatsächliche Vorkommen von Abnehmerkartellen. Daß Ab- nehmerkartelle verhältnismäßig selten sind, ist schon betont. Es drängt sich deshalb die Frage auf: Woran mag es liegen, daß in einer Zeit, wo der Gedanke an gemeinsames Handeln, an Milderung der Konkurrenz so weite Kreise erfaßt hat, das Kartellierungs- bestreben sich vor allem auf die Regelung des Absatzes und nur in ganz bestimmten Fällen auf die Regelung des Einkaufes richtet? Fassen wir zunächst das industrielle Gebiet ins Auge (für die an- deren Gebiete des Wirtschaftslebens gilt Ähnliches), so sehen wir den Hauptgrund in folgendem: Unser modernes industrielles Leben ist darauf eingestellt, daß im wesentlichen (von Ausnahmen wird später noch zu reden sein) der Absatz zu einer intensiven Aktivität führt, bei der sich die verschiedenen Produzenten fortgesetzt als Konkurrenten begegnen, daß die KEinkaufstätigkeit demgegenüber einen mehr passiven Charakter aufweist. Die Verkäufer bemühen sich ihrerseits um den Geschäftsabschluß, sie machen (auf Aufforderung und unaufgefordert) ihre Offerten, sie konkurrieren um die Bestellung. Das einkaufende industrielle Unternehmen nutzt diese Situation aus und spielt den einen Lieferanten gegen den anderen aus; aber es tritt seinerseits für gewöhnlich bei diesem Einkauf nicht in einen Konkurrenzkampf mit den andern das gleiche Material einkaufenden Werken ein. Dieser Umstand, daß die Konkurrenzverhältnisse beim Verkauf yanz andere sind wie beim Einkauf, gibt die Erklärung dafür, daß Vereinbarungen zur Einschränkung der Konkurrenz sehr häufig hinsichtlich des Vertriebes, sehr viel seltener hinsichtlich des Ein- kaufs geschlossen werden. Die Regel, daß eine eigentliche scharfe Konkurrenz industrieller Unternehmungen sich nur beim Vertrieb, nicht oder doch in sehr viel geringerem Maße beim Einkauf zeigt, erleidet nun mancherlei Ausnahmen. Bei allen den Rohstoffen, die nicht in beliebiger Menge hergestellt werden können, die überhaupt oder innerhalb bestimmter Zeiträume nur in gegebener Menge vorhanden sind, kann sich, be- sonders wenn die Verarbeitung sich ausdehnt, die Nachfrage nach diesen Rohstoffen also wächst, die Sache ganz anders gestalten. Statt daß die Verkäufer des Rohstoffes sich den Rang abzulaufen suchen, sich gegenseitig unterbieten, um ihre Waren an den Mann zu bringen, kann hier ein Wettrennen der industriellen Verbraucher einsetzen, kann die Sorge, genügende Mengen Rohstoff zu erhalten, die Abnehmer veranlassen, sich gegenseitig scharfe Konkurrenz beim Einkauf zu machen, einander im Preise zu überbieten, um sich ein