A in manchen der vorgenannten Fälle wird diese Situation durch die Verkäufer der Rohstoffe noch dadurch verschärft, daß sie durch Auktionen, Einschreibungen u. dgl. die Konkurrenz zwischen ihren Abnehmern besonders anstacheln!). Das führt dann vielfach erst recht zu gegenseitigen Überbietungen, Wo die Verhältnisse sich so gestalten wie in den erwähnten Fällen, da wird den Abnehmern der Gedanke nahegelegt, die gegen- seitige Konkurrenz einzuschränken, sich möglichst vollzählig zu ver- einigen und durch eine entsprechende Regelung ihrer Einkaufstätig- keit jene preissteigernden Faktoren in ihrer Wirksamkeit zu hemmen. In der Tat finden wir denn auch gerade auf solchen Gebieten das Vorhandensein von Einkaufskartellen, die den Vertriebskartellen in ihrem Wesen und ihrem Aufbau durchaus entsprechen, Es kann aber auch Zeiten geben, in denen ganz allgemein eine Knappheit an Rohstoffen usw. eintritt und dadurch der Gedanke an eine allgemeine Anwendung von Abnehmerkartellen nahegelegt wird. Jene Vorbedingung war z. B. während des Weltkriegs und in der ersten Zeit danach gegeben. Hier setzte auf zahlreichen Gebieten des Wirtschaftslebens ein ungeheurer Wettbewerb beim Einkauf der Waren ein, und es würde sicherlich zur Gründung vieler Einkaufskartelle gekommen sein, wenn nicht durch die staat- liche Zwangswirtschaft in anderer Weise eine Regelung herbei- geführt wäre?). So weit und so lange aber einzelne Waren von der Beschlagnahme frei blieben, ist es auch zur Bildung von Ein- kaufskartellen gekommen 3). {rüher Sandalen trugen oder gar barfuß gingen, Lederstiefel tragen, so darf es nicht verwundern, daß die Vorräte von Häuten und Fellen oft nicht ausreichen, um dem ge- steigerten Bedarf rechtzeitig zu genügen.‘ (Berliner Jahrbuch für Handel und Industrie, 1912, Bd. II, S. 4091 f.) ı) Vgl. z. B. Kröhne, Die Großhandelsversteigerungen. Tübingen 1909. Fritz Adler, Die Entwicklung des deutschen Häutemarktes. Karlsruhe 1913. Flüg ge , Die Organisation des deutschen Häutemarktes nach Aufhebung der Zwangs- wirtschaft. Staatswiss. Diss. Göttingen 1926. Walter Ludwig, Die Organisation des Absatzes in der Forstwirtschaft. Jena 1927. 2?) Vgl. auch das in Abschnitt IV über Abnehmerzwangskartelle Gesagte. 3) Vgl. z. B. folgende Notiz aus der Frankfurter Zeitung, 2. Morgenblatt vom 16. August 1916: „Zusammenschluß der Fabrikanten fürden Ein- kauf von Kalbfellen. Für den gemeinschaftlichen Einkauf von Kalbfellen haben sich die maßgebenden Fabrikanten zusammengeschlossen. Als im Laufe des Juni bekannt wurde, daß die Höchstpreise für Kalbleder herabgesetzt werden sollten, während die Rohstoffpreise täglich weiter in die Höhe gingen, haben eine Anzahl Kalb- lederfabrikanten Beratungen gepflogen, um Mittel und Wege zu finden, wie diesem Mißverhältnis abzuhelfen sei. Diese Verhandlungen haben jetzt zu dem Ergebnis ge-