Neuerdings sind diese Bestrebungen offenbar in den Hinter- grund gedrängt, da die Brauindustrie aus allgemeinen wirtschafts- politischen Erwägungen Wert darauf legt, in guten Beziehungen zur Landwirtschaft zu stehen. Infolgedessen haben die Brauereivereini- gungen mehrfach erklärt, daß es keine Gersteneinkaufskartelle gäbe. So beginnt auch ein Artikel von Paproth in der Tageszeitung für Brauerei vom 31. Januar 1930 mit folgenden Sätzen: „Unmittelbar nach dem Einbringen der neuen Gerstenernte wurden in verschiedenen der Landwirtschaft nahestehenden Blättern Stimmen laut, z. T. von sehr namhafter Stelle, welche von einer planmäßigen Einkaufszurück- haltung der Brauereien, ja von einem kartellmäßig organisierten Käuferstreik wissen wollten. Man hätte meinen sollen, daß der- artige Kombinationen — denn nur um solche konnte es sich handeln — einer nüchternen Überlegung an Hand der gegebenen Tatsachen sehr bald hätten weichen müssen. Aber die Behauptungen kehrten trotz klarer Gegenerklärungen, u. a. des Deutschen Brauer-Bundes, wieder und erfordern gründlichere Aufklärung. Es ist zunächst auch an dieser Stelle zu wiederholen, daß sämtliche Auslassungen über eine kartellmäßig inspirierte, wie über jede Art von planmäßiger Kaufzurückhaltung oder gar über einen Käuferstreik der Brauereien vollkommen aus der Luft gegriffen sind und jeder materiellen Grund- lage entbehren. Eine sachlich eindringliche Betrachtung ergibt ganz andere Ursachen für die traurigen Verhältnisse auf dem Gersten- markt, als jene Pressestimmen durchblicken lassen wollen.“ Und der Artikel schließt: „Die deutschen Brauereien und ihre berufenen Vertretungen sind sich stets dessen bewußt gewesen, daß Brauer und Bauer zusammenzustehen haben. Wie in der Vergangenheit, so wird der Gedanke auch in Zukunft wirtschaftspolitische Richt- schnur der deutschen Brauindustrie sein.“ Ein bedeutsames Einkaufskartell haben in Argentinien die Fri- gorificos (Gefrierfleisch-Anstalten) hinsichtlich des Einkaufs von Vieh begründet!) Ihre Maßnahmen haben zu einer besonderen Kartell- in keinem "Verhältnisse stehen. Dadurch würde er seine Ware verschleudern und den Aktionären durch seine Arbeit und seinen Fleiß die Dividende garantieren usw. Ein Landwirt, der sich durch die Haltung der Brauereien zu unüberlegtem Verkauf ver- leiten lasse, würde sich nicht nur selbst um den wohlverdienten Lohn seiner Mühe bringen, er würde auch beunruhigend auf die übrigen Produzenten wirken und den in Wahrheit falschen Preisen einen Schein von Berechtigung geben und sie so befestigen. Größere Bedeutung als diesen Aufforderungen zur Zurückhaltung im Verkauf ist den vielfach erfolgten Mahnungen, in Zukunft weniger Gerste zu bauen, da bei den be- stehenden Preisen der Gerstenbau nicht mehr lohne, beizumessen.“ ı) Vgl. dazu Jessen, Der Kampf um die Herrschaft über den Gefrier- und Kühlfleischmarkt (Schmollers Jahrbuch, 1028, S. 311 ff.