Erst jetzt, nachdem ich wieder einige Zeit in der Bankprazxis in leiten-Jer
 Stellung gestanden und somit Gelegenheit gehabt hatte, einige Theorien
 auf ihre praktische Durchführbarkeit hin zu prüfen, wagte ich mich
an die, wenn auch zum großen Teil aus der Praxis schöpfende, aber immerhin
 eingehende Spezialstudien erfordernde Arbeit heran. Weder in der
deutschen noch in der ausländischen Literatur gibt es meines Wissens ein
Werk, das die Zusammenhänge im Bankwesen in dieser Weise darstellt.
Indem das Erscheinen des Werkes in eine Zeit fällt, in der der Reichsbankpräsident
 auf die privaten Banken einzuwirken sucht, daß sie im
Interesse der Liquidität unseres Bankwesens und der gesamten deutschen
Volkswirtschaft größere Barreserven als bisher halten, besitzen die in
meiner Arbeit behandelten, für die Volks- und Privatwirtschaft sehr wichtigen,
 teilweise aber etwas komplizierten Fragen ein großes aktuelles Interesse.
 Möge die Arbeit zur Klärung der Verhältnisse ihr Teil beitragen.
GEORG OBST.

LEIPZIG. im Juni 1914.

Aus dem Vorwort zur sechsten Auflage.

Im Januar 1914 erschien der 1. Band des Bankgeschäftes. An dem Tage,
an dem der 2. Band ausgeliefert werden sollte, brach der Weltkrieg aus.
Die Kriegs- und Nachkriegszeit hat manche Erfahrung auf die Probe gestellt,
 manche Theorie auf ihre Stichhaltigkeit geprüft. Bankprobleme,
lie einst im Vordergrunde des Interesses gestanden haben, mußten wichtigeren
 Gegenwartsforderungen gegenüber .zurückstehen. Der veränderten
Problemstellung ist in dieser Neuauflage Rechnung getragen worden.
Kreditprobleme, Organisationsfragen, Vereinfachung des Betriebes
Jurch weitgehende Benutzung von Maschinen und Apparaten und Einführung
 Arbeit sparender Methoden, starke Steigerung der persönlichen
und sachlichen Unkosten, Erhöhung der Bankprovisionen und Debetzinsen,
Streben, die weniger einträglichen Geschäfte und unlohnenden Konten
abzustoßen — diese Probleme verleihen dem Bankwesen von heute sein
»harakteristisches Gepräge. Die Zahl der öffentlich-rechtlichen Banken
hat sich vermehrt, Sparkassen treiben mehr und mehr Bankgeschäfte; und
um Anerkennung ringen die Girozentralen, die hinsichtlich der Umgestaltung
 des Zahlungsverkehrs sich große Verdienste erworben haben,
BRESLAU, den 16. Dezember 1922. GEORG OBST.

/II1