Dagegen wird im lokalen Kreditgeschäft der Privatbankier, der die persönlichen
 Verhältnisse eines Kreditsuchenden. in der Regel besser als der
Filialdirektor kennt, den Bedürfnissen von Handel, Gewerbe und Industrie
 oft mehr entsprechen können als die Großbankfiliale, die durch
allgemeine Vorschriften gebunden ist und das Gesuch erst der Zentrale
zur Entscheidung vorlegen muß. Rasche Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit,
 die den Privatbankier bisher vor der Aktienbank ausgezeichnet
haben, werden ihm auch in Zukunft einen Vorsprung geben.
Dank der Gunst der Verhältnisse entstanden im letzten Jahrzehnt
— vielfach kommanditiert von Banken, Industrie- und Handelsfirmen —
in Berlin wie in der Provinz eine Anzahl neuer Privatbankfirmen, die
rasch ins Geschäft kamen. Daß die Aussichten nicht ungünstig beurteilt
wurden, geht daraus hervor, daß auch eine Anzahl Bankdirektoren in
guten Positionen tätige Teilhaber dieser neuen Bankfirmen geworden sind.
Vorwärtsstrebende Bankbeamte bevorzugen ebenfalls öfter Privatbankfirmen,
 weil sie in ihnen ein schnelleres Vorwärtskommen erhoffen als in
den Aktienbanken, bei denen es dem Tüchtigen oft schwer wird, sich
durchzusetzen und Gehälter über Tarıf zu bekommen, Als Lehrstätten
für den Nachwuchs im Bankgewerbe waren die Privatbankfirmen von jeher
 den Aktienbanken vorgezogen worden.
Die Notwendigkeit eines starken Privatbankierstandes mit seinen persönlichen
 Beziehungen zur Kundschaft (beratende Tätigkeit, subjektive
Behandlung der Kunden usw.) steht außer Zweifel; und der Bankiertag,
in dem Banken und Bankiers vereint sind, hat es klar zum Ausdruck gebracht,
 ein wie unentbehrliches Glied der Bank-, Börsen- und Kreditorganisation
 der Bankier sei, das Weiterbestehen der Privatbankfirmen
für die Allgemeinheit also von größtem Nutzen wäre, Größere, mittlere
und kleinere Privatbankiers schufen sich im Februar 1920 den Verband
Deutscher Privatbankiers mit dem Sitz in Dresden. A, Koch
kommt in einer Abhandlung über die Zusammenschlußbestrebungen der
Privatbankiers (Jena 1920) zu dem Ergebnis, eine geschlossene Phalanx
der Banken und Bankiers sei „ihren äußeren Feinden gegenüber“ erforderlich.
 „Nur wenn der gesamte Bankierstand — Banken und Bankiers
 — seine Interessen gemeinsam und in seiner Leitung einheitlich vertritt,
 kann und wird er in der Lage sein, seine Forderungen durchzusetzen
und seine Ziele zu erreichen.“

In dem Geschäftsbericht des VerbandesDeutscherPrivatbankiers
für das Jahr 1928 heißt es:
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