jetzt laufende Rechnungen, wird mehr und mehr der Bankier für diejenigen,
 die bisher nur „Sparer“ waren.
Die bargeldlose Zahlungsweise führte den Sparkassen zahlreiche neue
Kunden zu, und viele der alten Sparkassenkonteninhaber erledigten ihre
Zahlungen im Wege des Schecks oder der Giroüberweisung. So war von der
Besorgung des Zahlungsverkehrs der Schritt zum Effektenkommissionsgeschäft
 nicht mehr groß, da viele Sparkassenkunden den Wunsch hatten,
ihre Geldgeschäfte möglichst an einer Stelle ausführen zu lassen.
Da die Sparkassen für Zeichnung von Kriegsanleihen eine rege Werbetätigkeit
 entwickelten, wurde ihnen auch gestattet, die von ihrer Kundschaft
 gezeichneten Kriegsanleihen in Verwahrung und Verwaltung zu
nehmen; und unter Einwirkung der Regierungsmaßnahmen gegen die
Kapitalfßlucht ist diese Genehmigung auch auf andere Wertpapiere erstreckt
 worden.
Die Erlasse vom 15. April und 15. Dezember 1921 gaben den Sparkassen
fast alle bankmäßigen Geschäfte frei. Ausgeschlossen sollen nur bleiben
„Geschäfte, die mit der ursprünglichen Aufgabe der Sparkassen, den Sparsinn.
 zu fördern und als öffentliches Kreditinstitut zu dienen, unvereinbar
 sind, oder die die Sicherheit der Einlagen gefährden“, weiter: Devisen-
 und Geldsortengeschäfte für eigene Rechnung, Finanzierungs- und
Beteiligungsgeschäfte, Die ihnen gebotenen. neuen Möglichkeiten nutzten
die Sparkassen voll aus; wurden doch die Einzahlungen immer geringer,
die Kursverluste immer größer, Der Selbsterhaltungstrieb nötigte die
Sparkassen, ihren Betrieb zeitmäßig umzugestalten. Das mehr und mehr
betriebene Effekten-Kommissionsgeschäft machte die Unterhaltung von
Konten an Börsenplätzen notwendig.
Waren die öffentlichen Sparkassen — ihre Zahl beträgt etwa 3000 1) —
früher in der Lage gewesen, aus ihren Überschüssen den Garantieverbänden
 erhebliche Mittel zur Verfügung zu stellen, so war dies, trotz starker
Ausdehnung des Geschäftsverkehrs, in der Nachkriegszeit nicht mehr
möglich: Die Unkosten waren ganz gewaltig gestiegen, und an den Effektenbeständen
 waren infolge der Kursverluste große Abbuchungen zu
machen. Durch erhöhte Zins- und Provisionsgewinne konnten die Mehrausgaben
 und Verluste nicht eingeholt werden. Die Aktivzinsen ließen

1) Ende April 1929 betrug die Gesamtsumme der Spareinlagen bei den deutschen
Sparkassen 7,96 Milliarden RM (das sind etwa 40 %g der Ende 1913 eingezahlt gewesenen
 19,69 Milliarden M). In diesem Anwachsen der Spargelder kommt der
wiedererwachte zähe Sparwille der Bevölkerung zum Ausdruck.

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