4 große Girosysteme sind in der Hauptsache zu unterscheiden: Reichsbank-Giro,
 Post-Giro, kommunaler Giroverkehr, CGiroorganisation der deutschen
 Genossenschaften, Dazu treten dann noch die Girokreise der Bankkonzerne.
 Der Platz überweisungsverkehr hat eine besondere Ausgestaltung
 im Hamburger Giroverkehr und im Berliner Eilavisverkehr
 erfahren.

1. Giroverkehr der Reichsbank und der anderen deutschen Notenbanken.


Im Sommer des Jahres 1875 fragte der Senat der Stadt Hamburg in
Berlin an, ob die neu zu errichtende Reichsbank geneigt sei, in Hamburg
an die Stelle der Hamburger Bank zu treten. Bedingung aber müsse sein:
Beibehaltung des Giroverkehrs in der bisher in Hamburg üblichen Art
und Form. KEin Beamter der Reichsbank wurde nach Hamburg gesandt,
um den Verkehr an Ort und Stelle kennenzulernen und dem Direktorium
 in Berlin Bericht zu erstatten. Die Folge dieser Studienreise war:
Die Reichsbank führte das in Hamburg geübte System nicht nur in
Berlin, sondern auch an allen ihren Zweiganstalten ein.
Im Februar 1876 bereits wurde die Reichsbankhauptstelle Hamburg,
die die Beamten der Hamburger Bank übernommen hatte, vom Reichsbankdirektorium
 in Berlin ersucht, sich gutachtlich zu äußern, ob und in
welcher Form der Giro-Übertragungsverkehr sich durch ganz Deutschland
 zwischen den einzelnen Bankstellen, unter Vermittelung
der Berliner Zentralstelle, einführen lasse, Der Plan wurde verwirklicht:
der Giro-Fernverkehr gelangte in Deutschland zur Einführung, und damit
 konnte die Reichsbank in hohem Maße die ihr durch $ 12 des Bankgesetzes
 zugewiesene Aufgabe erfüllen, „den Geldumlauf im gesamten
Reichsgebiete zu regeln und die Zahlungsausgleichungen zu erleichtern“.
Der für ein begrenztes Gebiet musterhaft durchgebildete Giroverkehr war
zum Fernverkehr für das ganze deutsche Reichsgebiet ausgestaltet worden.
In ihrem 1. Jahresbericht (1876) schrieb die Reichsbank: „Der Giroverkehr der
früheren Preußischen Bank ist völlig umgestaltet worden. An Stelle der ‘alten unvollkommenen
 Einrichtung ist ein System getreten, das den Girokunden der Reichsbank
 nicht nur die Erleichterungen und Bequemlichkeiten der englischen Banken.
sondern weit darüber hinaus die Möglichkeit gewährt, im ganzen Gebiet der Reichs
bank kostenfreie Zahlungen zu leisten und zu empfangen. Das ganze Deutschland ist
durch die Reichsbank ein Giroplatz geworden, auf dem zwischen den Girokunden
der Reichsbank die Zahlungen ohne alle Kosten und Umstände durch bloße Über-„477

