den Auftrag, an Carl Koehler, der bei der Depositenkasse B der Allgemeinen
 Deutschen Creditanstalt (Adca) in Dresden Konto hat, 10000 RM
zu überweisen, so kann der Gang folgender sein: Die Depositenkasse F
gibt den Auftrag an ihre Zentrale in Berlin. Da diese mit der Adea in
Leipzig im Kontokorrentverkehr steht, schreibt sie an die Dresdner Filiale
der Adca: Wir erkennen Sie bei Ihrem Leipziger Hause mit RM 10 000.—
wegen Ihrer Depositenkasse B zugunsten des Carl Koehler, Dresden. Die
Dresdner Filiale macht ihrer Depositenkasse, und diese noch am gleichen
Tage dem Kunden Aufgabe. Von der Leipziger Zentrale trifft am nächsten
 Tage die Bestätigung der Gutschrift ein.

Die teuren Girospesen der Reichsbank hatten in der Zeit kurz vor dem
Kriege mehr und mehr dazu geführt, daß Banken untereinander Gelder
austauschen.
In Leipzig z. B. haben zahlreiche Berliner Großbanken Filialen, und die
anderen Leipziger Bankfirmen stehen mit Berliner Bankfirmen in lebhaftem
 Geschäftsverkehr. Hat z. B. die A-Bank in Leipzig 200 000 RM mehr
Kassenbestand als sie benötigt und würde sie sie infolgedessen an ihre Zentrale
 in Berlin überweisen, so erfährt dies, bei einer Rundfrage, die B-Bank
in Leipzig, an die über Erwarten große Ansprüche gestellt sind, und die
sonst das Lombard bei der Reichsbank oder der Sächsischen Bank in Anspruch
 nehmen und am folgenden Tage sich den Betrag durch ihre Berliner
 Zentrale überweisen lassen wollte. Die beiden Leipziger Bankfilialen
treffen nun folgende Vereinbarung: Die A-Bank zahlt an die B-Bank
200000 RM. Die B-Bank beauftragt dagegen ihre Berliner Zentrale
(telephonisch oder telegraphisch), an die A-Bank in Berlin 200 000 RM
zu vergüten. Auf diese Weise spart jedes der beiden Institute 1 oder
2 Tage Zinsen.
Dieser Geldtauschverkehr hatte, hauptsächlich infolge der teuren, von
der Umsatzhöhe abhängigen Cirospesen, an manchen Orten einen großen
Umfang erreicht.
Ist ein Tausch, auch an einem dritten Ort, nicht möglich, so haben
Banken, die ein größeres Filialnetz haben, mit diesen Filialen mitunter
die Vereinbarung getroffen, daß sie die Summen, die sie „über haben“,
nicht an die Zentrale überweisen, sondern dieser nur telephonisch die
Summe nennen, Sie erhalten dann von der Zentrale Nachricht, an wen
sie. den verfügbaren Betrag überweisen sollen. Hat also die Leipziger Filiale
 der X-Bank ihrer Berliner Zentrale 100 000 RM zur Verfügung ge-165

