Ich schrieb damals: „Je größer die Banken sind, desto häufiger wird es
vorkommen, daß Zahlungen nicht durch bares Geld, sondern durch Umschrift
 in den Büchern der Bank erledigt werden, indem Auftraggeber
und Zahlungsempfänger Kunden ein und derselben Bank sind. Jede
Bank bildet ein Clearinghaus für sich. Ein Fünftel bis ein Sechstel
sämtlicher bei den Berliner Großbanken eingehenden Schecks wird, meiner
Schätzung nach, auf diese Weise bereits ohne Bargeld und ohne Einlieferung
 in eine Abrechnungsstelle eingelöst.“ Heute ist dieser Prozent-3atz
 ganz erheblich höher.
Fassen wir zusammen: Scheck und Giro haben vieles gemeinsam. Der
Scheckverkehr, insbesondere der interlokale, hat, am Giroverkehr gemessen,
manche Nachteile, Unkosten und Zinsverluste erwachsen oft beim Scheck-,
nicht jedoch auch beim Giroverkehr, der dem viel gerühmten englischen
und amerikanischen Schecksystem entschieden vorzuziehen ist. Zu diesem
Schluß kommt sehon Julius Wolf!): „... Von den beim besten Willen
nur zu sehr geringem Bruchteil abstellbaren Mängeln des Schecksystems
ist der Giroverkehr völlig frei ... Bei näherer Prüfung ergibt sich, daß
das Scheck- und Clearingsystem überhaupt keine Organisation der Zahlungen
 als solcher darstellt. Was im Clearinghaus organisiert ist, das
sind nicht die eigentlichen Zahlungen. Organisiert ist lediglich die Verrechnung,
 der Austausch der Schecks usw. zwischen den Banken. Es
gibt nur ein Mittel, das Zahlungswesen tatsächlich zu organisieren: das
ist der Giroverkehr.“
Die Giroanweisung ist technisch einfacher, sicherer und wirtschaftlicher
 als der Scheck. Der Scheck ist aber immer noch die volkstümlichere
Form. Während für den Scheckverkehr feste Regeln bestehen, spielt sich,
wie wir gesehen haben, der Giroverkehr in den verschiedensten Formen
und Systemen ab. Das Interesse jedes einzelnen Systems, sagt Schoele,
dürfte genügend gewahrt bleiben, wenn als Grundsatz aufgestellt würde:
Jeder erhaltene Auftrag soll zunächst ohne Inanspruchnahme eines fremden
 Systems auszuführen gesucht werden. Ist dies nicht möglich, so soll
man jedesmal die einfachste andere Überweisungsmöglichkeit anwenden.
Immer und immer wieder muß aber betont werden, daß zur Erklimmung
dieser höheren Stufe des Zahlungsausgleiches ein noch erheblich größerer
Kreis als bisher seine Zahlung bankmäßig bewirken lassen muß. In der
Regel wird aber auch heute schon an die Stelle des Fernschecks die Giro-1)

 Das internationale Zahlungswesen. Leipzig 1913. S. 107ff.

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