kurse für deutsche Arbitrageure einen Goldbezug aus England rentabel
gemacht hätten.
Wodurch werden nun die Schwankungen der Wechselkurse
bedingt? Angenommen, die Gesamtheit der an einem gewissen Termin
bestehenden Forderungen Deutschlands an England ergäbe genau die
gleiche Summe, die zu demselben Zeitpunkte England von Deutschland zu
fordern habe, so müßte — vorausgesetzt natürlich, daß die beiderseitigen
Forderungen von gleicher Qualität wären, d. h. die gleiche Sicherheit
gewährten — der Wechselkurs zwischen Deutschland und England al pari
stehen, d. h., wie wir gesehen haben, 20,43 notieren.
In Wirklichkeit wird dies aber kaum vorkommen, Ein Land wird zu
einem bestimmten Zeitpunkte bald Gläubiger, bald Schuldner des anderen
sein, und so wird zeitweise ein Angebot dieser Devise, zeitweise eine
Nachfrage nach ihr entstehen.
Hat Deutschland zu einem bestimmten Termin an England Verbindlichkeiten
 in großen Beträgen zu erfüllen, dagegen an dem gleichen Termin
 nur wenig Forderungen an England, so wird in Deutschland, infolge
der großen Nachfrage nach der Devise London, der nur ein geringes Angebot
 gegenübersteht, der Kurs steigen. Der Wechselkurs wird für
Deutschland „ungünstig“ sein. Ist dagegen das Verhältnis umgekehrt,
übersteigt das Angebot von Wechseln auf London die Nachfrage nach
diesen, so wird der Wechselkurs eine fallende Tendenz einschlagen, sich
für Deutschland „günstig“ stellen.
Da aber bekanntlich stets zwei Möglichkeiten gegeben sind, Verbindlichkeiten
 mit einem Wechsel zu tilgen — eine Tratte auszustellen oder
eine Rimesse zu machen —, so ist die notwendige Folge des Steigens
der fremden Devise im Inlande ein Rückgang der inländischen Devise
im Ausland, und umgekehrt. Steigt die inländische Devise im Ausland,
so wird, bei gleicher Notierungsweise, die fremde Devise im Inland fallen.
Auf diese Weise kann man aus den Wechselkursen mit ziemlicher
Sicherheit Schlüsse auf die Gesamtbilanzierung der Güterübertragung
und den Volkswohlstand ziehen, was bei der Handelsbilanz bekanntlich
nur mit größter Vorsicht und Einschränkung erfolgen kann.
Beizustimmen ist daher Heiligenstadt!): „de größer und ausgedehnter
 der Geldverkehr eines Landes ist, desto mehr wird sich die
1) „Beiträge zur Lehre von den auswärtigen Wechselkursen“ in den Jahrbüchern
für Nationalökonomie und Statistik, Jena 1893, Band VI. S. 346 ff,
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