Theorie der Wirklichkeit nähern, daß die Wechselkurse ein Ausdruck
der faktischen Zahlungsbilanz des Landes sind.“
Von den Einwendungen Grunzel’s!) gegen den Satz: „die Wechselkurse
 sind das Barometer der internationalen Zahlungsbilanz“ ist nur
eine einzige als in der Praxis wesentlich in Betracht kommend anzuerkennen,
 nämlich die, daß durch die Diskontpolitik der Zentralnotenbanken
 auf die Höhe der Wechselkurse eingewirkt werden kann. Wird
nämlich von einer Zentralnotenbank Gold in größeren Beträgen abgezogen,
 dann schraubt sie ihren Diskontsatz in die Höhe, oder sie gibt, wie
die Banque de France es zeitweise getan hat, Gold nur gegen Zahlung
einer Prämie ab.
Infolge des höheren Zinssatzes bleibt das Geld im Lande, und fremdes
Kapital strömt ein, denn „loanable capital, like every other commodity,
comes where there is most to be made of ıt“ ?). Die Kurse der Wertpapiere
sinken, die Warenpreise fallen. Dadurch wird eine vermehrte Warenausfuhr
 bedingt, was wieder eine Korrektur der Handels- bzw. Zahlungsbilanz
 zur Folge hat.
Wechsel, die indirekten Operationen entspringen, d.h. Wechsel,
die nicht auf das Land oder den. Ort, nach dem ein Export stattgefunden
hat, sondern auf einen anderen großen Platz (z.B. auf London) gezogen
sind, kommen desto seltener vor, je mehr der Bankverkehr sich entwickelt.
Kreditwechsel, d. h. auf Grund des von einem Bankhause eingeräumten
 Kredits gezogene Wechsel, haben, vom volkswirtschaftlichen
Standpunkte aus betrachtet, ihre Berechtigung, wenn das betr. Land nur
zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahre Forderungen an das Ausland
hat (z. B. ein überwiegend Korn ausführendes Land), dagegen das ganze
Jahr hindurch importiert. Durch die auf Grund des eingeräumten
Bankierkredits erfolgten Trassierungen werden die zeitweiligen Abstände
von Schuld und Forderung der verschiedenen Länder überbrückt, und das
Herüber- und Hinübersenden von Gold wird eingeschränkt.
Bisher hatten wir von den Schwankungen der Scheck- und Wechselkurse
 zwischen zwei Ländern mit fester Metallparität gesprochen und
gesehen, daß diese Schwankungen nur unerheblich sein können. Völlig
anders aber liegen die Verhältnisse, wenn in dem einen oder gar in beiden
Ländern Papiergeldwährun g herrscht. In diesem Falle kann von

1) „Über den internationalen Wirtschaftsverkehr und seine Bilanz.“ Leipzig
1895, 8. 102.
2) W. Bagehot, Lombard Street. London 1872.

9X