aus dem Schiffbruch nichts als den Stempel mit der Aufschrift „Baugeschäft“,
 „Fuhrgeschäft“, „Landwirtschaftliche Maschinen“ und dergleichen
 mehr gerettet haben, akzeptieren, für wenige Mark, Wechsel im
Betrage von mehreren tausend Mark, Unterschriften als Indossamente
werden noch billiger abgegeben. Offenbarungseid ist meist bereits geleistet,
aber auch sonst haben Klagen auf Zahlung nicht den geringsten Zweck.
Eine gute Schilderung dieser Verhältnisse gibt der frühere Berliner Kriminalkommissar
 Waldemar Müller, der amtliche Untersuchungen
hierüber in seiner Schrift „Unlauterer Wechselverkehr“1) angestellt hat.
Diese Schrift enthält folgenden, in wunderbarem Deutsch abgefaßten Offertbrief:
Geehrter Herr!
Bezugnehmend auf Ihre w. Annonce, beehren wir uns, Ihnen bekannt zu geben,
Jaß wir Ihnen Wechsel auf Paris, mit 1 oder mit 2 Unterschriften, vermitteln
können. Sie brauchen dieselben als Akzepte Ihrer Kunden oder Schuldner darzustellen,
und sie bei ihrem Bankier sowie bei Freunden zu diskontieren, um den gewünschten
Beitrag zu erlangen.
Die Erneuerung der Wechsel garantieren wir Ihnen, so lange Sie sie wünschen
(3—5 Jahre). Wir würden Ihnen nämlich jedesmal 8—10 Tage vor Verfall, auf
Verlangen, neue Akzepte einsenden, damit Sie mit dem Betrag derselben die fälligen
bezahlen lassen.
Diese kommerzielle Praxis leistet der Geschäftswelt sehr große Dienste, da man
sich damit ohne Teilhaber und ohne Garantie-Hinterlagen das ‚nötige Kapital
sehr schnell und leicht verschaffen kann. Außerdem kostet das Geld durch unser
System bedeutend billiger, und hat man dabei weniger Verantwortlichkeit, als mit
einem Kompagznon.
Die korrekten Wechsel, die wir Ihnen fix und fertig zusenden, werden „zahlbar“
bei größeren Banken ausgefertigt. In Folge dessen dürfen Sie vier oder fünf Tage
vor Verfall die Deckung durch unsere Vermittlung oder direkt an die angegebene
Bank einsenden, mit der Bitte, den fälligen Wechsel für ihre Rechnung zu bezahlen,
and Ihnen selben retour zu schicken. Wenn angenehm, werden wir. die Wechsel
zahlbar bei einer Ihnen beliebigen Bank in Deutschland, Österreich, Schweiz usw.
ausfertigen lassen, an welche Sie s. Z. das Geld anweisen würden,
Wir berechnen: für Unkosten 1 Prozent, welche- Sie. uns mit Ihrer Bestellung
ainsenden wollen, und Provision 1 Prozent zahlbar bei Empfang der Wechsel. Für
lie Erneuerung nur 1 Prozent im Ganzen. Bei Aufträgen über 50 000 M Bedingungen
aach Übereinkunft.
Auch können wir Ihnen Wechsel mit 1 oder 2 Unterschriften auf Deutschland
ind Schweiz verschaffen. Unkosten und Provision stets 2 Prozent, wovon die Hälfte
mit der Bestellung. Die Bestellungen werden umgehend erledigt. Sie können
ıns auch ihre eigenen Wechsel zur Akzeptierung einsenden; oder wir verschaffen
Ihnen solche, mit 1 oder mit 2 Unterschriften versehen.

1) A. W. Hayns Erben, Berlin (ohne Jahrgang, etwa 1903 erschienen).

3655