Als Bankdirektor bin ich, offen gestanden, mit einer gewissen Skepsis
an diesen Geschäftszweig herangegangen. Theoretisch sah ich eine Reihe
von Verlustmöglichkeiten. Praktisch hat sich, erfreulicherweise, aber
keine einzige verwirklicht. Man muß selbstverständlich nicht nur in der
Auswahl der Kunden, sondern auch der Kunden der Kunden, d. h. der
Firmen, an die die abgetretenen Forderungen bestehen, äußerst vorsichtig
vorgehen und weiter die Marktpreise der Waren im Auge behalten. Durch
eine Marge von 25 bis 30% ist das Risiko im allgemeinen aber schon
geringer als beim Wechsel-Diskontgeschäft, wo der volle Betrag, abzüglich
Diskont, ausgezahlt oder gutgeschrieben wird.
Vielfach wird vom Diskontanten der Forderung verlangt, daß er sein
Akzept in Höhe der erhaltenen Summe gibt, teils aus Sicherheitsgründen,
teils aber auch, um die diskontierende Firma durch Rediskontierung des
Wechsels instand zu setzen, ihr Betriebskapital zu erneuern. So kommt
es nicht selten vor, daß der Produzent in die merkwürdige Lage kommt,
für denselben Güterumschlag zweimal akzeptieren zu müssen: ein Akzept
gibt er dem Lieferanten der Rohmaterialien, und ein Akzept stellt er der
Bank aus, die seine Forderung an den Käufer der Ware bevorschußt.
Die komplizierte Technik des Verfahrens, die den Banken viel Arbeit,
dem Kunden verhältnismäßig hohe Spesen verursachte, hofft man nun,
und ich meine mit Recht, durch die elegantere Form der nicht akzeptablen
 Tratte erheblich einfacher und für den Kunden billiger gestalten
zu können. Der Bezogene geht auf Grund der nicht akzeptablen Tratte
keine größere Verpflichtung ein, als er sie auch bisher ohne Tratte dem
Verkäufer gegenüber übernommen hatte. Die den Vorschuß gewährende,
d. h. die die Buchforderung diskontierende Bank erhält aber durch die
Tratte wechselmäßige Ansprüche gegen den Aussteller, der die Buchforderung
 bei ihr diskontiert. Auf diese Weise kommen ferner auch richtige
Warenwechsel in Verkehr, im Gegensatz zu den Finanzwechseln, die bisher
der Diskontant der Buchforderung durch sein Akzept geschaffen hat.
Viele Unannehmlichkeiten befürchtet man dadurch, daß die Bezogenen
die Verfallzeit nicht innehalten und weitere Ziele, als ursprünglich vereinbart,
 fordern werden. Mag sein, daß dies auch in Zukunft vorkommen
wird. Nicht anzunehmen aber ist, daß diese Fälle zahlreicher als jetzt
sein werden, Von vielen Seiten wurde mir immer und immer wieder gerühmt,
 wie viel prompter die bei einer Bank diskontierten. Forderungen
im Gegensatz zu früher eingingen. Die zu Zahlungen Verpflichteten
fürchten, durch nicht pünktliche Einhaltung der Fristen in ihrem Kredit
23 Obst, BGI, 9. A.

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