Der Zinsfuß für Lombardkredite ist in der Regel höher als für Diskontkredite.
 Dies hat seine Ursache darin, daß Lombarddarlehen nicht in dem
Maße wie Wechsel als bankmäßige Deckung gelten und es den deutschen
Notenbanken nicht gestattet ist, auf Grund solcher Geschäfte Noten auszugeben.
 Dies geschieht nicht wegen der mangelnden Sicherheit, sondern
ist begründet in der wirtschaftlichen Natur der Lombardforderungen, Das
Lombardpfand ist unverkauft. Ob der Besitzer es nicht verkaufen
kann oder nicht verkaufen will, ändert, sagt treffend Geh. Oberfinanzrat
 Hartung‘), nichts an der Tatsache, daß der Regel nach der Lombardkredit
 nicht als Verbindungsglied des Prozesses der Überleitung der
Produktion zur Konsumtion anzusehen ist. Will der Besitzer nicht verkaufen,
 so liegt eine, möglicherweise berechtigte Spekulation vor; kann
er nicht verkaufen, so übersteigt augenblicklich die Erzeugung des Gutes
dessen Bedarf. An Liquidität steht also das Lombardgeschäft der Wechseldiskontierung
 erheblich nach. . .
Weiter ist der höhere Zinsfuß dadurch begründet, daß eine Lombardforderung
 oft einer Festlegung der Kapitalien gleichzuachten ist, wenn
nämlich bei Nichtrückzahlung bei Fälligkeit ein Zwangsverkauf der
Pfandobjekte erforderlich wird und diese, bei ungünstiger Konjunktur
oder in kritischen und kriegerischen Zeiten, nur sehr schlecht oder überhaupt
 nicht zu verkaufen sind. Zu berücksichtigen ist ferner, daß den
Banken durch die Aufbewahrung und die damit verknüpfte Verwaltung
des Pfandes, evtl. auch durch die dauernde Kontrolle seines Wertes eine
oft nicht unbeträchtliche Arbeitslast erwächst.
Ein Lombardverkehr in der Weise, daß jemand Wertpapiere als Unterpfand-zur
 Bank bringt, ein Darlehen von bestimmter Höhe dagegen erhält
und nach einiger Zeit das Darlehen mit Zinsen zurückzahlt und seine
Wertpapiere wieder in Empfang nimmt, kommt im Verkehr mit Privatbanken
 und Bankiers weit seltener vor als die Kreditgewährung gegen
Unterpfand „in laufender Rechnung“, wo jeden Tag, oder doch sehr
häufig, Einzahlungen und Abhebungen auf dem Konto bewirkt werden
und die Höhe des Debetsaldos größeren Schwankungen unterworfen ist,
zeitweise auch der Debetsaldo sich in einen Kreditsaldo verwandelt.
Oft hat der Kunde — besonders ist dies bei stark steigenden Kursen
der Fall — von vornherein die Absicht. nur einen Teil des Kaufpreises

1) Art. „Inkonsequenzen“ in der Zeitschrift für Handelswissenschaft und Handelsoraxis
 IV, 7.

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