Andererseits ist ein Nebeneinander verschiedener Hypothekenbanken, wenn sie
nicht allzu klein sind, für den Realkredit wegen des Wettbewerbs günstig. Nicht
unwesentlich ist auch, daß der Pfandbrief ein Kreditinstrument darstellt, das in
hohem Maße an den Namen des Instituts gebunden ist.
In der Erkenntnis, daß Fusionen große wirtschaftliche Vorteile gewähren
 können, ist (1926) eine Senkung der Steuer erfolgt, sofern
 es sich um wirtschaftlich gebotene Zusammenschlüsse handelt, und
die Zusammenfassung sich erstreckt auf gleichartige oder wirtschaftlich
zusammengehörige Betriebe mehrerer Unternehmungen. Unter diesen
Voraussetzungen beträgt die Gesellschaftssteuer statt 4 % nur 1%, und
die Grunderwerbssteuer wird von 1% % auf % % herabgesetzt. Wertzuwachssteuer
 wird in diesem Falle nicht erhoben.
Eine große Rolle, speziell auch im Konzentrationsprozeß des Bankwesens
 1), spielen neuerdings die Interessengemeinschaften.
Die Verknüpfung der Interessen des einen Instituts mit denen des anderen
kann auf mehrere Arten erfolgen: das größere Institut erwirbt sämtliche
 Aktien des kleineren Instituts oder die Majorität oder einen Teil
der Aktien des kleineren Instituts. Auch ohne Übernahme von Aktien,
nur durch Vertrag, kann (Dresdner Bank-— Schaaffhausen, 1903—1908)
sine Interessengemeinschaft erfolgen. Ende Oktober 1921 ist, mit Rückwirkung
 vom 1, Januar 1921, eine Interessengemeinschaft zwischen der
Bank für Handel und Industrie und der Nationalbank für Deutschland
geschaffen worden, die bereits im Juli 1922 zu einer Fusion dieser Institute
 geführt hat. Auch diese Fusion zeigt, daß Interessengemeinschaften
 zwischen Großbanken sich nicht lebensfähig erwiesen haben. Sie wurden
 nach kurzer Dauer aufgelöst, oder es erfolgte vollständige Verschmelzung
 der Banken. 1921 und in den folgenden Jahren bildeten mehrere
deutsche Hypothekenbanken „Gemeinschaftsgruppen“. Disconto-Gesellschaft,
 Schaaffhausenscher Bankverein und Norddeutsche Bank bringen
eine Gemeinschaftsbilanz heraus. Im März 1922 ist zwischen
dem Bankhaus Mendelssohn &amp; Co. und der Bayerischen Vereinsbank eine
Interessengemeinschaft geschlossen worden. Sie stellt insofern ein Novum
im deutschen Bankwesen dar, als zum ersten Male eine bedeutende Aktienbank
 eine koordinierte Verbindung mit einer großen Privatbankfirma
 eingegangen ist. Die bisherigen Interessengemeinschaften zwischen
 Aktienbanken und Privatbankfirmen waren meist derart gestaltet,
daß die Aktienbanken sich an den Privatbankfirmen kommanditarisch

') Näher wird hierauf im II. Bande, in der Bankpolitik, eingegangen werden.

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