f) Arbitragegeschäftel).
Eine Anzahl von Effekten wird bekanntlich an mehreren Börsen gehandelt,
und da Angebot und Nachfrage an den einzelnen Plätzen nicht gleich hoch
sein werden, die Kursnotierungen auch sonst vielfach von Zufälligkeiten
abhängig sind, so kommt es öfters vor, daß ein Wertpapier an einem Börsenplatz
 zu einem höheren Kurse gesucht oder zu einem niedrigeren angeboten
 wird, als an einem anderen. Die Tätigkeit, die aus dem zu einem
bestimmten Zeitpunkte bestehenden Preisunterschiede (Marge) eines
Wertpapieres an verschiedenen Börsenplätzen Nutzen zu ziehen sucht,
nennt man Arbitrage (arbitrari = erwägen) und diejenigen, die sie ausüben,
 Arbitrageure. Gegenstand der Arbitrage sind Effekten, Devisen,
Edelmetalle in gemünztem oder ungemünztem Zustande; weiter erfolgen
 aber auch Arbitragen in Geld bzw. in Zinssätzen für Leihgeld.
Dem Zweck nach, dem die Arbitrage dient, unterscheidet man
Deckungs- oder Ausgleichs- und Differenz-Arbitrage.
Während es sich bei der Ausgleichs-Arbitrage darum handelt, den. vorteilhaftesten
 Weg zu suchen, um eine bereits bestehende Verbindlichkeit
 zu begleichen oder eine Schuld einzuziehen, werden bei der
hauptsächlich in Betracht kommenden Differenz-Arbitrage zwei neue
Geschäfte eingegangen. Der Arbitrageur sucht ein Wertpapier oder eine
Devise, seltener ein Quantum Edelmetall, an einem Ort so billig zu erwerben,
 daß beim sofortigen Verkauf an einem anderen Platz nach Abzug
 aller Spesen noch ein Nutzen für ihn bleibt. Um diese Tätigkeit mit
Erfolg ausüben zu können, muß der Arbitrageur eine genaue Kenntnis
der Usancen an den verschiedenen Börsen besitzen, muß wissen, welche
Unkosten auf den Geschäften ruhen, ferner erwägen, wie er die fremde
Valuta, die er für den Kauf im Auslande benötigt, sich am billigsten beschafft
 oder umgekehrt, wie er die Valuta, die er für den Verkauf im Aus-Jande
 erhält, am besten verwertet (Glattstellung der Valuta).
So ist die Wertpapierarbitrage häufig verknüpft mit der Wechselarbitrage,
und zu dieser benötigt er Kenntnis der wechselrechtlichen Bestimmungen
und der Geld- und Münzverhältnisse der in Betracht kommenden Länder.

!') Literatur: Heinrich Deutsch, Arbitrage in Münzen, Barren, Wechseln,
 Effekten und Prämien. Berlin 1910. H. J. Easton, Tate’a Modern Cambist,
London 1908, Ottomar Haupt, Arbitrages et Parit6s. Paris 1804. Robert
Stern, Die Arbitrage im Bank- und Börsenverkehre. 2. Aufl. Leipzig 1911.
Swoboda-Wagon, Die Arbitrage in Wertpapieren, Wechseln. Münzen und Edelmetallen.
 16. Aufl. Berlin 19928.

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