Viel Zeit beansprucht grade im Provinzgeschäft der persönliche
Verkehrmit der Kundschaft. Ein großer Teil von ihr hat nicht
nur ihr gesamtes Vermögen dem Bankhause anvertraut und läßt sich
demzufolge in Vermögensangelegenheiten (Wertpapieren, Hypotheken), in
Erbschaftsangelegenheiten (Aufsetzung des Testaments) und in jJuristischen
 Fragen beraten, sondern wünscht auch Auskünfte über Abschluß
von Versicherungen aller Art, weiter, im Zusammenhang mit der Akkreditierung
 bei fremden Bankhäusern, über Reisen und Aufenthalt in fremden
Ländern, über Eisenbahn- und Dampfschiffverbindungen u. dgl. Der Chef,
die Prokuristen und einige andere Beamte werden durch. derartige Gespräche
 und Erteilung von Auskünften oft lange in Anspruch genommen,
Dieser persönliche Verkehr und die Interessennahme des Bankiers und
seiner Vertreter an den Freuden und Leiden seiner Kunden ist gerade bei
den angesehenen älteren Provinzialbankgeschäften typisch.
Um sachgemäße Auskünfte erteilen zu können, müssen die Auskunfterteilenden
 sich dauernd auf dem laufenden halten. Sie müssen Börsenblätter
 und Handelszeitungen lesen und über die neuesten Ereignisse
informiert sein.
Eine gute Information bilden die während. des Tages einlaufenden
„Wolffschen Depeschen“ und die Depeschen der Continental-Telegraphen-Compagnie.
 Diese Büros besitzen an allen größeren Plätzen
Filialen oder befreundete Firmen, die die telegraphischen oder telephonischen
 Nachrichten, die sie erhalten, ihren Abonnenten sofort mitteilen.
 Früher geschah dies auf gedruckten Zetteln, die mit Eilboten,
mehrfach am Tage, bestellt wurden. Heute werden alle Nachrichten
gefunkt. Die Deutsche Kursfunk G. m. b. H. (Betriebsgemeinschaft
der „Handelsdienst der Continental-Telegraphen-Compagnie“, „Wolff’s
Telegraphisches Büro G. m. b. H.“ und der „Eildienst für amtliche und
private Handelsnachrichten G. m. b. H.“) übermittelt ihren Abonnenten
Effekten- und Devisenkurse aller großen Börsen, Bankausweise, andere
wichtige Handelsnachrichten, politische Nachrichten usw. Vom frühen
Morgen bis zum späten Abend laufen Funknachrichten bei Banken und
Bankfirmen ein und werden von dem „Mann am Apparat“ abgehört, aufnotiert
 und an. die jeweils besonders interessierte Abteilung gegeben.
Gegen Schwarzhörer schützt sich die Funk-Gesellschaft durch Schlüsselzahlen. Sie
nimmt z. B. bei den Devisenkursen für jede Devise verschiedene, täglich wechselnde
Zuschläge oder Abschläge vor, die den Abonnenten vorher schriftlich mitgeteilt
werden, und sie läßt die Reihenfolge der Kurse nach einem Schlüssel wechseln.
Ohne Schlüssel sind die Kurse also unverständlich!

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